Unverrichteter Dinge

Wann geht man zuletzt einer Straße entlang?
Wann ist der letzte Kuss, die letzte Umarmung, die letzte Berührung?
Weiß man es?

Wann sage ich zuletzt „Auf Wiedersehen“?
Wann folgt der letzte Blick nach hinten, wann zu dir, zu ihm, zu ihr?
Weiß man es?

Wann vergießt man die letzte Träne als Kind?
Wann wird man erwachsen, und dann plötzlich zu alt, um sich zu erinnern?
Weiß man es?

Welcher ist der letzte Frühling, den man erblühen sieht?
Weiß ich wirklich nicht.
Doch vergessen werde ich ihn nie.

Zwiegespräch

Ich fragte ein Keim,
Wie ist das Sein?
Den Boden durchstoßen
Auf der Suche nach Oben?
Wie ist’s zu sprießen,
Den Trieb zu hieven?
Die Blätter zu hissen,
Ist das zu wissen?

Es schwieg nur still,
Rankte sich wirr,
Umfing meinen Blick,
Suchte nach mir.
Ich schaute es an
Und wusste sofort,
Den Willen zum Leben
Kann Wissen nicht geben.

Dein Wille geschah

Mit welchem Recht wurde ich so, wie ich wurde?
Warum wurden meine Augen braun, meine Finger lang?
Wer hat meinen Willen gebrochen, bevor es ihn gab?
Und warum wurde ich nicht gefragt?
Wer erschuf mich, wie ich bin?
War’s des Zufalls Gleichgültigkeit
Oder doch göttlicher Funke
Aus Humor und Langeweile?

Entfaltung

Es ist nicht einfach zu sein, wer man ist,
Wundern nachzujagen, die es nicht gibt.
Leichtfüßige Spinnereien zu erträumen,
In Naivität zu baden und sich aufzubäumen,
Sobald die Welt einem sagt, so ist es nicht!
Und dennoch an dem Gedanken festzuhalten,

(Denn anders kann es nicht sein als das,
Was einen fesselt und doch glauben lässt.)

Dass sie da sind!

Aber
Man kann sie nicht erzwingen,
Mit aller Macht wird’s nicht gelingen.
Nur auf eigenen Wegen muss man gehen,
Dann werden auch Wunder geschehen.

Es ist nicht einfach zu sein, wer man ist.