Stimmungserwachen

Am Morgen, wenn der Tag beginnt und der Geist sich entscheidet aus der Dämmerwelt ins Jetzt zurückzukehren, räkeln sich in meinem Bewusstsein Gedanken, die sind – so schön und sinnlos -, wie sie sind.

Es fragt sich dann in mir als Beispiel, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn man ihn von seinen Bedürfnissen befreit. Wenn man alles abschält, was seinen Kern umgibt und man kann werfen darauf einen unverschleierten Blick. Und ich sage, dass mich nur dieser Rest interessiert.

Oder, dass, wenn man im Abschied noch Schmerz verspürt, dann noch zu sehr verfangen, krampfhaft verankert in der Vergangenheit. Echter Abschied versöhnlich schwingt, alle Fäden lässt er gehen, um so die Verbindung für immer dem Herzen zu übergeben.

Und dann auch noch das! Warum werde ich, warum nur, in Gesprächen auf die Beschränktheiten der anderen reduziert? Mein Geist wird hohl, aber das bin ich nicht! Es ist bloß die Macht der Leere über mich. Und sobald aus diesem offenen Kerker entkommen, schüttelt sich mein Verstand und erwacht wie aus einer Trance und führt sein Gespräch fort mit sich. Doch niemand kann es hören.

Walfreiheit

Luftblasen. Ich schaue sie an. Sie glitzern auf mich herab. Sie tragen nach oben von mir zumindest einen Teil. Leicht perlen sie hinauf. Dann angekommen zerplatzen sie. Und ich schicke welche nach, solange ich noch kann. Und auch ich steige dann auf und verschlucke sie erneut, so dass ich sie unten wieder loslassen kann.

Spuren

Ich weiß nicht, was ich bin. Vielleicht ein Riese unter meinen Füßen, oder ein Zwerg auf einem Berg. Oder eine Welle, die sich gegen den Wind erhebt. Oder ein Flügel, dem seine andere Seite fehlt. Staub aus dem Äther. Ein Klumpen Hauch, der übrig blieb von meiner Eltern Liebe. Oder der Rest einer Umarmung, die ward nie beendet. Oder für wen auch immer vielleicht auf Erden das Schönste, was vom Himmel fiel. Ich weiß es wirklich nicht. Aber was ich weiß, dass ich fühle, ich bin all das und noch viel mehr! Oder doch bloß ein leuchtend Nichts auf dem Weg von hier zu mir.

Der Weg der Ruhe

Viele Ereignisse des vergangenen Jahres hatten das Potenzial mich zu übertriebenen Reaktionen zu verleiten. An sich lag es in der Natur der jeweiligen Sache. Womöglich. Oder aber vielmehr in meiner eigenen Natur. Mich auszubremsen erforderte immer eine besondere Achtsamkeit. Doch dann gegen Mitte des Jahres hat es in mir gefühlsmäßig klick gemacht. Ich wurde trotz des immer noch in den oberen Schichten meiner Persönlichkeit verankerten ersten Eruptionspotenzials in der Tiefe meines Selbst ruhig(er). Seelenruhig(er). Ich weiß nicht, was diese Wandlung ausgelöst hat. Vielleicht Gedanken, Erkenntnisse, Überlebenswille in einer Welt mit all ihrer Dynamik und zunehmender Widersprüchlichkeit. Oder vielleicht war die Zeit dafür einfach nur reif. Mein Ego hat sich verringert und meine Bewusstheit allem gegenüber erweitert. Und die Zeit hat sich beschleunigt, aber deren subjektive Wahrnehmung zugleich bedeutsam verlangsamt. Schwer zu beschreiben. Die Akzeptanz ihres Rasens hat meine Fähigkeit, sie bewusst zu erleben enorm erhöht. Vielleicht so. Und, dass ich nun bereit war, mich aus dem sich oft anbahnenden Resonanzkatastrophe herauszuschälen, indem ich meine latente Enttäuschung über die Nichterfüllung von Erwartungen durch eine feinstoffliche Dankbarkeit für das Erkennen der Schönheit im Unerwarteten ersetzt habe. Dies war kein bewusster Prozess, es überkam mich einfach. Ich habe angefangen die Bahn der Erde um die Sonne nicht nur zu spüren, sondern auch jene Freude, darüber nachdenken zu können, sie zuzulassen und wahrzunehmen, um sie, eben diese überwältigende, kindliche, zu Tränen rührende Freude über das Leben selbst anschließend wieder tief einzuatmen. Ein „Emotionsturbolader“ … und so weiter.

Diese Sätze klingen irgendwie gut. Nicht wahr? Aber natürlich klappt das nicht immer, was ich da von mir gebe. Wie denn auch? Ist ja ein Idealzustand, der mal vielleicht für Augenblicke Bestand hat. Doch tendenziell ist es eine gute Richtung. Weiß ich. Denn im Endeffekt geht es um ehrlichen Respekt sich selbst gegenüber. Und um Geduld. Und um Vertrauen, so dass auf diese Weise einen auch das Seinsgefüge besser zu tragen vermag, dass man im Leben leichter fließen kann im Wissen, dass es gut ist, wie es ist, und auch schön, was es uns bietet, wenn wir auch das Schöne inmitten so vielen Schmerzes in der Welt zu erkennen wissen, um dann selbst dazu beizutragen, dieses Schöne zu vermehren … ja, mit unserem Turbolader. Indem wir schauen, sehen und zurückgeben.

Ich danke allen, die mir dieses Jahr geholfen haben, zu sehen, zu erkennen und eben, zurückzugeben. Von mir kommt es immer von Herzen und richtet sich zeitlos an so viele Herzen. In Liebe. Kraftvoll und zart.

Außenseiter

Wie der Mond mich anstrahlt, die Sonne mich versengt, oder eine Kerze an mir leckt. Weiß oder gelb oder angegraut brüchig trage ich meine Last, oder tun dies andere an meiner statt. Verdorben oder hochgestochen, dann banal, alles egal. Ich bin, wie ich bin, hart und weich, mal blutgetränkt. Mein Name ist immer anders, stolz ziert er meine Stirn, und oft wird er auch zitiert. Ich kann nicht anders, als ein Außenseiter zu sein. Doch letztendlich ist in mir manches nur Salat.

gez. BUCH