Die Liebe ist wie ein Spenderherz, das zu erhalten einen mit überschäumendem Glücksgefühl erfüllt, das zu behalten es jedoch Mittel bedarf, die die Abstoßungsreaktionen des Empfängerorganismus unterdrücken. Alles, was nicht aus uns stammt, ist uns fremd und nur scheinbar willkommen, sogar die Liebe. Alles Fremde muss man am Leben erhalten, wenn man es behalten will. Und wenn das Fremde stirbt? Wenn das fremde „Herz“, die Liebe vom Ich verstoßen wird, was stirbt dann in einem? Oder stirbt man selbst, so wie wenn das echte Herz stehen geblieben wäre? Und was beginnt danach? Ein neues Leben? Oder ein Leben ohne Herz? Oder ist da wieder Platz? Man muss viel tun, um Fremdes, auch wenn es gut ist, in sich hineinzulassen, in sich aufzunehmen und zu behalten. Man muss sehr viel tun.
Gespalten
Wurde der Keil jemals gefragt, wie er sich fühlt, wenn er in das Holz fährt. Wurde er gefragt, wie es ist, getrieben zu werden? Wie fühlt es sich an, ständig und immer wieder auf den Kopf zu bekommen? Einsame Spitze? Oder spitze Einsamkeit?
Wildzahm
Im undurchdringlichen Wald des Lebens
Blind in die Weite blicke ich,
Die Düfte der Zukunft rieche ich,
Zu den Wipfeln meine Seele schicke ich,
Verweile und meine Wildheit zähme ich.
Vergängliches erschaffen will ich nicht,
Verstehen das Ewige ist mein Ziel,
Doch mein Herz zu groß und klein dafür,
Es sitzt alleine und liebt zu viel.
Bittgesuch
Gefangen in mir
Ausbrechen will ich
Nicht kennenlernen
Mich spüren
Wer bin ich?
Angst zu sehen
Neben mir stehen
Zu entkommen
In den Käfig zurück
Wer bin ich?
Die Sehnsucht
Verzehrt mich
Zurück zu mir
Weg und in mich
Wer bin ich?
Rumpeln an der Seelentür
Lautwuselig ist die Lebensfreude,
Das wahre Glück ruhigstill,
Doch im Grundrauschen
Des menschlichen Seins
Haust die Unzufriedenheit.