Abgesang

Ein Paradies bekamen wir zum Leben,
doch mir scheint’s, wir versuchen
eher ein Leben lang darin zu sterben.
Wir gönnen das Glück weder unseren Nächsten
noch reicht uns das eigene als Zufriedenheit.
Blindbesessen jagen wir das wilde Vergnügen
und verjagen das Mitgefühl von unserer Seit.
Wer sollte uns für all das vergeben,
wenn wir verwandeln die Erde in einen Sarg?

Am Anschlag

Die Tür geht auf. Eine andere Welt tut sich auf einen Spalt. Dunkel ist es draußen im Gang. Kein Licht, kein Schatten. Dann geht sie wieder zu, bewegt wie von Geisterhand. Ich liege im Bett und denke nach. Nach kurzer Zeit steht im Türrahmen eine Gestalt. Wer bist du, frage ich wortlos zu dir gewandt. Ich kenne dich nicht. Du zitterst in einem Hauch von Nachtgewand. Tust einen zaghaften Schritt nach vorne und dein Mund stumm mich fragt, ob du in meine Nähe darfst. Ja, natürlich, ich sehe, du hast Angst. Warum, ist nicht von Belang. Für wahren Trost wird nie ein Grund verlangt. Du schmiegst dich an und schläfst selig ein.

Das Pendel des Lebens schwenkt entschlossen aus, doch in der Mitte steht eine Wand. Von dieser prallt die Kugel ab, und das andere Ende ihres Weges wird nie erreicht. Auf dieser Seite die Schwere, hinter der Wand die Leichtigkeit.

Ich denke nicht mehr nach, halte mich nur weiter im Traume wach.

Utopie

Ich denke an eine Welt,
in der die Liebe zählt,
in der kein Stern vom Himmel fällt,
in der keine Rache gärt,
in der jeder jeden schätzt
und in der das Zusammen
man über das eigene Ich hebt.
Ich denke an eine Welt,
in der Liebe herrscht.

Das Absolute

Wenn man tot ist, ist man Gott näher denn je.
Wenn man liebt, ist man Gott näher denn je.
Und beide Male verliert man die Kontrolle,
im Sterben wie auch im kleinen Tod.
Doch in beiden Augenblicken lebt man ewig.
Warum fehlt nur der Mut, im Leben Gott nahe zu sein?
Und auch, wenn man tot durchs Leben geht,
hält man an der Kontrolle fest,
der aber fest nur in Gottes Hände fällt.
Es wäre so einfach es zu lassen,
statt die Tür zum Herzen zuzulassen.
Und die Sicherheit anzunehmen,
die nicht greifbar hinter der Liebe steckt.

Theseus

„Ariadne, mein Schatz, gib mir doch einen Faden,
das Minodings geht mir auf den Keks“,
rief wortgewandt der große Held.
Doch Ari, die feine Dame meinte
„Nein, gebe ich dir nicht, ich brauche ihn als Licht.“
„Verstehe ich nicht.“
„Ach, Thesi, der Faden scheint – du hast mein Wort -,
das weiß doch jedes Kind.“
„Und wie gelange ich ins Labyrinth
und vor allem wieder raus aus dem Gewirr?“
„So oder so, du kriegst den Faden nicht!“