Manchmal bin ich ein Handschuh,
manchmal die Hand, die friert.
Manchmal greife ich nach dir,
manchmal rufst du nach mir.
Manchmal bin ich ganz Energie,
manchmal bloß helle Neugier.
Manchmal nur schön mit dir,
manchmal vermisse dich hier.
Manchmal wünschte zu fliegen,
manchmal will ich nur liegen.
Manchmal habe ich kein Licht,
manchmal bin leuchtend Gestirn.
Manchmal ist es, wie es ist,
manchmal ist es nur Phantasie.
Doch ewig währt die Liebe in mir.
An der Trinkhalle
Welch ein Titel! Und warum der? An Trinkhallen gehe ich selten vorbei, dennoch spüre ich deren Sog, doch nicht auf mich, sondern auf die Stammkundschaft, die nicht nur wegen des Alkohols dahin pilgert Tag für Tag, sondern, um nicht allein zu sein. Im Sommer steht sie unter dem Schirm, im Winter unter der Heizglocke. Im Herbst regnet es ihr unter die Haut, im Frühling quält sie die Sehnsucht wie Gier. Diese Kundschaft, die meist aus Männern besteht, von solchen, die sich nur untereinander verstehen. Manchmal verirrt sich auch eine Frau dahin, eine vielleicht mit Raucherstimme, die mit den Männern um die Wette grölt über belangloses Zeug, was eigentlich nur für uns kaum einen Sinn ergibt. Für sie ist es das Leben, eines, das ihnen sonstwo nicht gegeben, denn zu Hause haben sie nichts, keine Frau, keinen Mann, kein Kind. So gehen sie zu ihrer Trinkhalle zuhauf, und wir bauen unsere Trinkhallen zu Hause auf.
Keine Selbstzensur
In Anbetracht der Geschehnisse und des unaufhaltsamen und leider so aggressiven Wandels in der Welt verursacht durch uns Menschen habe ich mich gefragt, ob es angebracht sei, hier oder überhaupt über meine durchaus naiven Ansichten und seelischen „Wehwehchen“ zu schreiben, und vor allem diese meine Gedanken öffentlich zu machen. Sollte ich, statt über alles Mögliche zu sinnieren, doch im Grunde über Unwichtiges, nicht lieber etwas oder mehr Handfestes tun, denn Taten sagen mehr als tausend Worte? Darüber habe ich gestern mit einem für mich wichtigen Menschen gesprochen, dessen Ansichten ich sehr hoch achte. Die Antwort seinerseits kam unmittelbar, fast schon vehement: „Es ist wichtig für sich zu sorgen!“ Ja, das ist wahr, denn, wenn ich in mir ruhe, kann ich aus meinem Gleichgewicht heraus auch für andere besser sorgen. Und auch wenn ich nur das weitergebe, was ich fühle, und meine Gedanken mit einer positiven Botschaft beende, ist das so viel wert. Das Gute in der Welt scheint klein im Angesicht des wuchernden Bösen. Doch ersteres verhält sich wie Licht, das da ist als Energie, und als Fakt existiert. Dagegen ist der Schatten nur eine Eigenschaft, ein Zustand, ein Nichts. Der Schatten kann das Licht nicht vertreiben, aber für das Licht, diesen zu überdecken und zu umhüllen, ist ein Leichtes, und zeigt, dass, zu sein, es sich lohnt, einfach und immer. Aus allem, was schmerzt, was einen zu vernichten droht, erwächst doch immer etwas Neues, etwas Gutes, solange man dem Licht folgt. Dann wurde mir noch gesagt, es hieße, das Herz könne brechen vor Kummer, doch in Wahrheit verhält es sich anders. Es bricht nicht, es bricht nur auf und wächst über sich hinaus. Ja, und dieses Bild gab mir Kraft, denn Kummer empfinde ich sehr, wenn ich sehe, was wir tun mit der Welt. Und meine kleinen Sorgen? Sie sind da, sicher, aber eine Schande ist es nicht, über sie nachzudenken und auch zu schreiben, denn am Ende sehe ich doch immer das Licht, das ich in meinen Zeilen auch abstrahle. Und vielleicht, wie eine kleine Kerzenflamme, erwärmt dieses meine bescheidene Licht auch andere Herzen, die ihrerseits die Schatten in der Welt erhellen.
Himmelsspektakel
Es ist wohl kaum bekannt, dass der Blitz nicht von oben, sondern von unter schlägt lichte Bahn. Zunächst tastet eine Idee ihren Weg hernieder ab, die, wie ein Kanal leitet die Entladung von unten nach oben ein. Gaia lockt erst so den Himmel zu sich herunter, doch nur sie steigt zu ihm auf und gebiert Licht und Donner. Also auch hier, wie immer und überall, wählt die Frau, mit wem sie zusammen leuchten mag. Und was macht der Mann, so der Himmel in diesem Fall? Er behält nur scheinbar die Oberhand. Er ruft „Komm!“, und die Frau antwortet darauf „Nur, wohin ich will!“. Aber immerhin zeichnet er einen Pfad und bereitet ein Feld, worüber sie ihre Schönheit ausbreiten kann.
Silencio
Ich würde gerne über Stille schreiben, gedankenleer kaum was sagen, gehaltvolles Nichts ausdrücken, nur blinzeln, schauen, umhergucken. Ich würde gerne mich nur fragen, warum dieses viele Quengeln, in meinem Kopf das Wortgeplänkel? Dann würde ich anfangen zu schweigen, meine Worte nicht verschenken, meiner Ideen nicht gedenken, Wendungen meines Geistes bannen, nur in der Stille harren. Was ist schon die Selbstkundgabe, immer wieder Ruf nach Gnade? Ja, ist es vielleicht, oder auch nicht, es sind nur meine bunten Federn, die aus Worten einen Fächer bilden, mit dem ich mir Luft zuführe, in der Stille herumrühre. Ich kann es nicht, ich versuche, ich versuche, kann mir selbst nicht widerstehen, ich finde in mir keine Ruhe. Diese Stille ist mir zu fremd, es geht nicht, Punkt, Komma, End‘! Wie kann man dem Vogel sagen, er möge doch den Schnabel halten? Und ob ich aus Fuchses Rachen luge, auch dann mit lauter Stimme rufe: Stille in mir nur vorhanden, wenn ich denke und es sage, verzeiht mir mein Gehabe.