Conservare

Die Liebe ist wie ein Spenderherz, das zu erhalten einen mit überschäumendem Glücksgefühl erfüllt, das zu behalten es jedoch Mittel bedarf, die die Abstoßungsreaktionen des Empfängerorganismus unterdrücken. Alles, was nicht aus uns stammt, ist uns fremd und nur scheinbar willkommen, sogar die Liebe. Alles Fremde muss man am Leben erhalten, wenn man es behalten will. Und wenn das Fremde stirbt? Wenn das fremde „Herz“, die Liebe vom Ich verstoßen wird, was stirbt dann in einem? Oder stirbt man selbst, so wie wenn das echte Herz stehen geblieben wäre? Und was beginnt danach? Ein neues Leben? Oder ein Leben ohne Herz? Oder ist da wieder Platz? Man muss viel tun, um Fremdes, auch wenn es gut ist, in sich hineinzulassen, in sich aufzunehmen und zu behalten. Man muss sehr viel tun.

Lebensgleise

Erfüllungsgehilfe im Verwaltungsakt des Lebens,
Im eigenen oder von Geliebten eben.
Fremde fordern es von einem auch ein,
Ich will aber kein Güterzug sein!
Nicht nur durch den Alltag stampfen,
Mit Sorgen durch das Leben krampfen!
In die Weiten meiner Gleise will ich fahren,
Lasst mich fliegen, lasst mich schweifen!

Stellenbeschreibung

Ich habe das Gefühl,
Per Anhalter durchs Leben zu rasen,
Ohne zu rasten.
Als Trittbrettfahrer im Dasein anderer zu hasten.
Auf der Stufe in der Tür zu hängen,
Nicht reinzugehen aber auch nicht zu springen.
Aber doch nicht voranzukommen,
Statt mit dem Ich an meiner Seite zu schwingen.

Oculi mundi

Mit wie vielen Augen blickt man auf die Welt?
Wie viele Seelen suchen sie zu erfassen?
Die Augen des Kindes, des Erwachsenen,
Des Frohen und Zweifelnden,
Des Liebenden und Leidenden.
Alle wollen sehen, alle ist man selbst,
Alle wollen hinaus, alle gleichzeitig,
Wachsen durch mich nach außen!
Meine geliebte Sehnsucht, meine Augen!