Stoßgebet

Im Auge des Sturms
Sehe ich die Ränder drehen,
Vom Sturm erfasst
Dreht sich die Welt mit mir!
Bildhauer und Skulptur,
Überschnitzt und fast gefallen,
Mitten drin und nicht dabei.
Meine Augen suchen Halt,
Meine Beine wollen ruhen,
Die Flügel gespreizt …
Das Tosen erfasst mich,
Auf festen Boden hoffe ich!

Cor et animus

Herzlich, herzig, barmherzig,
Mein herzlich „barmes“ kleines Herz,
Reiches, großes, weites Herz,
Schlage, poche, bebe, lebe,
Gib nicht auf, und nicht erbebe,
Tak-tak-tak-tak…

Pfade

Heute früh bin ich mit der U-Bahn eine Station zu weit gefahren. Ich habe es verpasst, auszusteigen. Ich habe einen anderen Fahrgast angelacht, einen älteren Mann, und habe ihm gesagt, was passiert ist. Er hat mich auch angelächelt. Ich bin dann mit einer anderen U-Bahn zurückgefahren. Ich war beschwingt, es war so befreiend ein Muster zu durchbrechen!

Mattscheibe

Was heißt es, wenn man denkt, das Leben durch eine Glasscheibe zu betrachten, wenn alles irgendwie auf dem Kopf stehend dargestellt wird, wie bei einer alten Fachkamera? Wenn man sich selbst auf dem Bild sieht, Subjekt und Objekt scheinbar voneinander getrennt? Was heißt es, wenn die eigene Haut nicht die eigene zu sein scheint, sondern nur eine notwendige Hülle? Was heißt es, wenn man glaubt in einem Paralleluniversum zu sein, doch nicht zu Hause? Was heißt es?