Der Weg der Ruhe

Viele Ereignisse des vergangenen Jahres hatten das Potenzial mich zu übertriebenen Reaktionen zu verleiten. An sich lag es in der Natur der jeweiligen Sache. Womöglich. Oder aber vielmehr in meiner eigenen Natur. Mich auszubremsen erforderte immer eine besondere Achtsamkeit. Doch dann gegen Mitte des Jahres hat es in mir gefühlsmäßig klick gemacht. Ich wurde trotz des immer noch in den oberen Schichten meiner Persönlichkeit verankerten ersten Eruptionspotenzials in der Tiefe meines Selbst ruhig(er). Seelenruhig(er). Ich weiß nicht, was diese Wandlung ausgelöst hat. Vielleicht Gedanken, Erkenntnisse, Überlebenswille in einer Welt mit all ihrer Dynamik und zunehmender Widersprüchlichkeit. Oder vielleicht war die Zeit dafür einfach nur reif. Mein Ego hat sich verringert und meine Bewusstheit allem gegenüber erweitert. Und die Zeit hat sich beschleunigt, aber deren subjektive Wahrnehmung zugleich bedeutsam verlangsamt. Schwer zu beschreiben. Die Akzeptanz ihres Rasens hat meine Fähigkeit, sie bewusst zu erleben enorm erhöht. Vielleicht so. Und, dass ich nun bereit war, mich aus dem sich oft anbahnenden Resonanzkatastrophe herauszuschälen, indem ich meine latente Enttäuschung über die Nichterfüllung von Erwartungen durch eine feinstoffliche Dankbarkeit für das Erkennen der Schönheit im Unerwarteten ersetzt habe. Dies war kein bewusster Prozess, es überkam mich einfach. Ich habe angefangen die Bahn der Erde um die Sonne nicht nur zu spüren, sondern auch jene Freude, darüber nachdenken zu können, sie zuzulassen und wahrzunehmen, um sie, eben diese überwältigende, kindliche, zu Tränen rührende Freude über das Leben selbst anschließend wieder tief einzuatmen. Ein „Emotionsturbolader“ … und so weiter.

Diese Sätze klingen irgendwie gut. Nicht wahr? Aber natürlich klappt das nicht immer, was ich da von mir gebe. Wie denn auch? Ist ja ein Idealzustand, der mal vielleicht für Augenblicke Bestand hat. Doch tendenziell ist es eine gute Richtung. Weiß ich. Denn im Endeffekt geht es um ehrlichen Respekt sich selbst gegenüber. Und um Geduld. Und um Vertrauen, so dass auf diese Weise einen auch das Seinsgefüge besser zu tragen vermag, dass man im Leben leichter fließen kann im Wissen, dass es gut ist, wie es ist, und auch schön, was es uns bietet, wenn wir auch das Schöne inmitten so vielen Schmerzes in der Welt zu erkennen wissen, um dann selbst dazu beizutragen, dieses Schöne zu vermehren … ja, mit unserem Turbolader. Indem wir schauen, sehen und zurückgeben.

Ich danke allen, die mir dieses Jahr geholfen haben, zu sehen, zu erkennen und eben, zurückzugeben. Von mir kommt es immer von Herzen und richtet sich zeitlos an so viele Herzen. In Liebe. Kraftvoll und zart.

Aikido

We don’t protect our freedom
Instead, we eagerly share it
We are no rivals
But partners we are
We don’t depend on each other
Connection is our honor
Ourselves we explore through movements
Without the need to complete each other
But as whole beings we grow together
With selflessness
We share the same space
Breathe the same air
And therein we create „Us“

Thomas von Aquin

Ein Dreifaches
ist dem Menschen notwendig zum Heile:

zu wissen, was er glauben,
zu wissen, wonach er verlangen,
und zu wissen, was er tun soll.

Nicht von mir, aber wie für mich

Ich suche nicht – ich finde.

Suchen – das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuem.

Finden – das ist das völlig Neue!

Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewißheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewißheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Pablo Picasso