Ikagai

Einen Lebenssinn braucht jeder Mensch. Zu hören, wir brauchen dich, du bist uns wichtig, ist ein Lebenselixier. Und eine Aufgabe, das zu bewältigen ist, das einem die Wertschätzung gibt für das eigene Spiegelbild, ein Problem, das nicht zu abstrakt oder entfernt, und man unfähig zu handeln, das einen nur quält, sondern eines, dem man gewachsen ist, und an dem man wächst, auch das braucht das Herz. Und die Gemeinschaft, die Familie, die bei deiner Ankunft ruft, schön, dass du da bist, wir haben so auf dich gewartet, ist das reiche Beet, das die Seele nährt.

Ein Grund zu leben, Ikagai! Ich habe ihn gehabt. Auf der Suche bin ich wieder.

Solitarius

Wenn die Welt die reine Liebe belacht, verachtet und verschmäht, ist sie dem Untergang geweiht. Gefangen dient der Mensch lieber jeglichem Zwang. Die höheren Ziele, die ihn einst zum Menschen gemacht, schwinden aus seinem Geist. Mit Hohn belacht er Gott, und unbermerkt ertrinkt er in seinen … seinen Tränen.

Und mangelernährt an Liebe geht der einsame Wolf seines Weges.
Der Wind saust an ihm vorbei. Alles einerlei.

Sehenden Auges

Übersättigt verhungern sie, keifend entledigen sie sich gar ihrer Seele. Zu lästig! Und rennen, rennen, rennen sie lust- und angstgesteuert nirgendwohin. Die Engel schauen von oben zu, Gaya weint, und die Menschheit verausgabt sich schnurstracks in die Eitelkeit.

Graue Wolke

Auf meinen Schultern sitzt du, meine innere Stimme, mein Richter und Kerkermeister! Gefangen hältst du mich in den Werten, die mir Zuflucht vor all den Zweifeln bieten, die jene aber auch mit Inbrunst nähren. Entledigen sollte ich mich dir, dich verbannen! Ich habe genug, ziehe deines Weges, fort mit dir! Doch mein höchster Wert ist eben die Liebe, von der ich nicht lassen werde. So lade ich dich ein, bleib bei mir, werde mein Gefährte, entspanne deine Krallen, komm neben mich herab auf die Erde. Deine blauen Augen funkeln mich an, Angst bahnt sich durch sie zu mir. Hast du dich verloren?

Was bleibt dir nun, schreist du stumm, wenn Urteile zu fällen, dir als Dienst versagt? Ich sag‘ es dir!

Überzeuge mich, nimm mich an die Hand, führe mich, und lass‘ dich selbst von mir führen. Ertrage mich, meinen Sinn, doch versuche nicht meinen Willen zu brechen, denn von nun an bin ich der Herr über mich selbst!

Höre, du bist mein Freund von edelster Güte.

Du bist der, der mir hilft, meine Werte zu sehen.
Du bist der, der mir hilft, sie zwanglos zu pflegen.
Du bist der, der mir hilft, auf dem wahren Weg zu gehen.
Du bist der, der mir hilft, schließlich einfacher zu leben.

Und ich gelobe dir – hab‘ keine Angst – in meiner Freiheit selbst nicht zu einer dunklen Wolke zu werden. Ich will nur für etwas Höheres wieder vor Hingabe glühen.

So ward mein innerer Richter von einer grauen zu einer strahlend weißen Wolke, und Glück ward uns beiden gegeben.