Lichtgespür

Kennst du das Gefühl, dass, auch wenn man morgens im Bett die Augen zudeckt, man dennoch spürt, dass es draußen hell ist? Nichts ist mehr dunkel. Es ist ein Urwissen in unseren Zellen. Ich frage mich, können wir auch anderes so „sehen“?

Hemisphären

Jeder Mensch ist nur ein halber Engel,
mit halbem Flügel ein halber Krüppel.
Ein Leben mit gebeugtem Rücken,
die Last der Leere drückt so sehr.

Ist er da und man sieht ihn nicht,
oder sucht man vergebens, weil man eh blind ist?
Ich weiß es nicht, doch fliegen will ich,
stell‘ dich zu mir, versteck‘ dich nicht.

Dein Flügel auf der einen Seite,
meinen gegenüber breite ich aus.
Gib mir die Hand, halt‘ dich fest,
Mut zum Springen, Mut zum Fallen.

Keine Angst, sag‘ ich zu mir!

 

Scheuwegklapper

Die eigene Geschichte verwehrt die Gegenwart,
Die Ereignisse der Vergangenheit leiten die Sicht,
Meine Stimme ruft „Leben“!
Deine auch, aber wir verstehen uns nicht.
Man ist nicht der, der man ist,
Erst der Mut zum Werden führt ins Licht.

Stellenbeschreibung

Ich habe das Gefühl,
Per Anhalter durchs Leben zu rasen,
Ohne zu rasten.
Als Trittbrettfahrer im Dasein anderer zu hasten.
Auf der Stufe in der Tür zu hängen,
Nicht reinzugehen aber auch nicht zu springen.
Aber doch nicht voranzukommen,
Statt mit dem Ich an meiner Seite zu schwingen.

Oculi mundi

Mit wie vielen Augen blickt man auf die Welt?
Wie viele Seelen suchen sie zu erfassen?
Die Augen des Kindes, des Erwachsenen,
Des Frohen und Zweifelnden,
Des Liebenden und Leidenden.
Alle wollen sehen, alle ist man selbst,
Alle wollen hinaus, alle gleichzeitig,
Wachsen durch mich nach außen!
Meine geliebte Sehnsucht, meine Augen!