Aufbruch

Angelangt am Lebens Dach im Sein,
Die Baumkrone verästelt und fein.
Schultere Engel, ihr Singsang im Ohr,
Sehe nichts als Nebel und Moor.
Ich höre die Stimmen, sie sprechen zu mir,
Ein unverständliches Sprachgewirr.
Geister die zerren, ziehen und reißen,
Ihre Zähne sich an mir festbeißen.
Ein Kampf im Äther, es wirbelt und kreischt,
Ich Sterblicher inmitten werde zerfleischt.
Um der Geister Irrwege zu entkommen,
Will ich die Zeit besonnen
Verbannen in die Unendlichkeit,
Weg von Zukunft und Vergangenheit.
Erkennen will ich den eigenen Pfad,
Weitblick, nicht Blindheit vor Gutmütigkeit.
Waten werde ich durch Wasser, Land und Lüfte,
Mit schweren Beinen weiter bis an eine Küste
Meines eigenen Lebens voller Leichtigkeit!

Apathie

Wie im Halbschlaf
Schwebend im Meer
Der Nebel zieht mich
Herab in den Graben
Der Gefühle
Der Sog reißt nicht ab
Bedrückend voller
Leichtigkeit
Das Leben
In Teilnahmslosigkeit

Heimweg

In Iuftleerem Raum
Mein Atem stockt,
Mit stummer Stimme
Singe ich für dich.
Deine Seele schwebt
Hoch über mir,
Verzweigt sich in
Tausend Äste.
Am Sarg stehe ich,
Ein Bach
Aus meinen Augen
Entspringt.
An deinem Sarg
Neben dir wir,
Die sind nicht
Mehr als du,
Doch hier.

Die Brücke

In was verliebt man sich, wenn man sich verliebt?
Sind das Aussehen und Ausstrahlung, denen man erliegt?
Oder verankert man sich in der Seele des anderen?
Sind Geist, Verstand und Witz die Senken für den eigenen Blick?
Nein, in diese letzten drei verliebt man sich nicht.
Sie schlagen die Brücke, die im Laufe der Zeit zur Liebe wird
Zwischen den Ufern von Schönheit und ätherischer Anziehung.
Nein, in die Brücke verliebt man sich nicht.

Heim

… ich liege auf dem Boden, spüre den kratzigen Teppich an meinem Rücken, in der Zimmerdeckenecke Spinnweben, auf dem Schrank reift eine grüne Banane in der aufsteigenden Wärme des Holzofens, das Bett meiner Eltern eine einzige tektonische Landschaft, kein Geld für Reparatur, kein Geld für nichts, halte ein Schmalzbrot in der Hand, der Geruch meiner Großmutter in der Luft, sie kommt durch die Tür, ihr Stöhnen eilt ihren Schmerzen voraus, der Hund springt auf mich, sein Blick bohrt sich warm und treu in mein Herz, ein Radio jault durch das Fenster, der Nachbar auf der Suche nach einem Sender, die Straßenbahn rattert am Haus vorbei, an ihr Menschentrauben im Wind, die Luft ist rein und warm und voll vom Geruch des besiegten Staubes, Sommerregen, es tropft im Zimmer, das Dach ist undicht, meine Mutter in der Küche, übt sich in Improvisation, Wiener Schnitzel aus Schinken, es gab heute Schinken im Laden, mein Vater kommt später, ich freue mich auf ihn, ein wohlig-wonniges Gefühl, ich bin zu Hause, ich bin ein Kind …

… ich wäre so gern wieder Kind.