Prana

Ich habe deine Farben gesehen, du wolltest, dass ich sie sehe, wolltest, dass ich dir helfe. Sie waren tief, sehr tief. Ich habe dir goldenes Licht geschenkt, göttliches Licht, habe dich darin gebadet. Danach kamst du zur Ruhe und hast in meinen Armen geschlafen und ich war müde aber glücklich.

Temporalsublimation

Vor zwei Tagen wurde ich gefragt, wie ich noch an das Glück glauben könne, wenn ich ja selbst sagte, es sei einem immer nur für eine kurze Zeit gegeben. Das stimmt, antwortete ich, doch im Augenblick des Glücks verschwindet die Zeit, somit wird dieses Gefühl zeitlos und dauert auch dann an, wenn man wieder an der Zeitlinie des Normalen entlangschreitet. Man ist gefangen im wohligen Wissen, dass es den Zustand des Glücklichseins gibt. Man ist nicht mehr in der Lage nicht daran zu glauben, es nicht zu wissen, da außerhalb von Raum und Zeit es einen als permanenter Zustand der Zuversicht durchtränkt. Die junge Frau wollte meinen Worten nicht so richtig Glauben schenken. Macht nichts, dachte ich liebevoll, sie wird es schon selbst erfahren, denn trotz allen Schmerzes, den man im Leben erfährt, hat man einmal das Glück in ihrer tiefsten Form erlebt, gibt es kein Entrinnen, man ist gefangen im unerschütterlichen Wissen darum.

Verzogen

Ein kleiner Hund vor der Metzgerei
Bleibt stehen und will nicht vorbei.
Schaut und schnuppert, zittert vor Begierde,
Vor seinen Augen all die wurstigen Berge!
Doch die Leine zieht und zerrt,
Seine Schnauze wird immer länger!
Die Nase klebt an den Düften fest,
Fest! Doch dann gibt’s ihr den Rest.
Ein kleiner Hund läuft traurig heim,
Ohne Wurst und nur mit einem Nasenbein.

Lippengold

Glaub‘ mir, sage ich.
Aber doch nicht, warum solltest du?
Doch, sag‘ es, so ist es schöner, sagst du.
Glaub‘ mir, sage ich.

Wanderer

Als ich am Ende der Welt ankam, war ich enttäuscht, denn es ging nicht weiter. Doch zugleich habe ich mich gefragt, wie gelange ich nach Hause, denn ich komme aus der Unendlichkeit?