Lippengold

Glaub‘ mir, sage ich.
Aber doch nicht, warum solltest du?
Doch, sag‘ es, so ist es schöner, sagst du.
Glaub‘ mir, sage ich.

Wanderer

Als ich am Ende der Welt ankam, war ich enttäuscht, denn es ging nicht weiter. Doch zugleich habe ich mich gefragt, wie gelange ich nach Hause, denn ich komme aus der Unendlichkeit?

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Schweigen
Ein warmes, langsames Schweigen.
Warm wie Honigmilch auf den Lippen,
Langsam wie die Bewegungen eines Sonntagnachmittages.

Schweigen
Ein rundes, weiches Schweigen.
Rund wie der Hauch einer Sommerbrise,
Weich wie das Streicheln eines Teiches.

Schweigen
Ein vertrautes, tiefes Schweigen.
Vertraut wie keine andere Vertrautheit,
Tief wie das Rot einer Geburt.

Wellenfunktion des Kampfes

Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur das Hier und Jetzt.

Der Krieger im Kampf hat keine Vergangenheit und keine Zukunft, er kämpft nicht ums Überleben, er ist verschmolzen mit dem Tod. Er fließt im Augenblick. Wird der Augenblick zur Realität, ist der Tod da und der Fluss wird zur Ewigkeit. Bleibt der Augenblick im Fluss, kommt der Krieger zurück ins Leben und seine Vergangenheit und seine Zukunft werden zur Realität.

Gedichtsschwankungen der Farbenleere

Ich wollte schon wieder ein Gedicht über die Liebe schreiben. Ich wollte reimen

Sie strahlt in tausend Farben,
Jeder Mensch leuchtet
In seiner eigenen Farbe,
Die für alle Grau erscheint,
Nur denen nicht,
Die die gleiche Farbe haben.

Doch stimmt das eigentlich nicht. Wir sind vielmehr bedürftige Farbenblinde ständig auf der Suche nach der Bindungswärme unserer ersten Lebensmonate. Wir alle können uns so gut einreden, die eigene Farbe im Grau des anderen erkannt zu haben. Dabei überflutet uns ein solch törichtes Glücksgefühl, weil wir es fühlen wollen, weil wir ausgehungert sind, weil wir gesehen und endlich ankommen wollen. Aber irgendwann schlägt das Grau durch und wir ziehen weiter, suchen weiter, hungern weiter.

Doch was sind das wieder für schwere Gedanken? Gedanken, ihr launisch ewig unzufriedene Geistermacht ohne Zeitgefühl, ihr, die nach dem Glück trachtet, aber nicht bereit seid zur Selbstwandlung in das Jetzt, zur Erkenntnis eurer Vergänglichkeit, schweigt und erkennt

Mein Licht trägt meine Farbe,
Und das ist kein Gedicht,
Nur jedes Menschen Gabe.