Ob sich ein Schmetterling erinnert, dass er mal eine Raupe war? Oder warum verzweifelt die Raupe nicht an dem Gedanken, dass sie sich vielleicht von einem schönen Schmetterling zur Raupe zurückverwandelt hat? Woher wissen wir, was die Zukunft bringt, oder warum wollen wir es überhaupt wissen? Warum ist es wichtig? Warum vertrauen wird nicht einfach darauf, dass es richtig ist, wie es ist und dass es gut war, wie es war und gut wird, wie es wird? Und dass wir den Bademantel mit dem Handtuch um den Hals zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort getragen haben? Und dass wir uns nicht fragen sollten, zu was wir uns entwickeln oder was wir wohl vorher waren? Wir sind hier im Jetzt, jeder Tag formt uns, knetet uns, beschenkt uns, nimmt uns aber auch unverhofft vieles weg. So ist es. Ich habe mich oft mitten auf dem Spazierweg hingekniet und mir in Ruhe eine wunderschöne Raupe angeschaut. Ja, sie sind schön, manchmal schöner als der flatterhaft unstete Schmetterling. Ich liebe Raupen und ich liebe Schmetterlinge und ich kann mich erinnern, mal beides gewesen zu sein. Oft gleichzeitig. Wie das Leben, mal schön, mal traurig, mal alles zusammen. Leben halt. Aber Leben!
Was ist es?
Ich habe mich tatsächlich gefragt,
In der Hoffnung auf eine Antwort von mir,
Was Glück ist.
Wenn du an meiner Herzseite schläfst
Und an meiner Rechten gehst?
Oder wenn mich eine Kugel verfehlt
Auf der Suche nach einem wahllosen Ziel?
Ist es Glück zu wissen, wer man ist?
Oder eher zu suchen ungewiss?
Ich weiß es nicht.
Was ist es denn?
Wenn ich es finde,
Zeig‘ ich’s dir.
Komm‘ mit mir!
E-Beil, verkehrte Welt
Auf dem Weg von rechts nach links, von hinten nach vorne, von unten nach oben habe ich die Liebe verloren. Sie ist mir aus der Tasche gefallen, kullerte eine Weile auf dem Boden, wälzte sich und wand sich, grinste mich an und verschwand in einem Erdloch. Ich rannte hin, kniete mich nieder, rief nach ihr, schickte ihr meine Tränen nach „Sucht sie!“. Sie war aber weg.
So saß ich da über die Tiefe gebeugt und meine kurzsichtig atmende Hülle auf meine Gedanken gestützt, bis ich spürte, wie der Glanz eines hinter Regenbogenwimpern aufgeschlagenen Augenpaares auf mir ruhte.
Diese Augen! … diese Augen kamen mir so bekannt vor. Ich wusste, sie waren doch meine Hingabe, die in eine Fluchtgrube gekrochen ist, um sich vor den das Ticken ihrer Lebensuhr übertönenden Streitigkeiten der Menschen zu verstecken.
Und jetzt waren sie schon zu zweit da unten, meine Liebe und meine Hingabe. Was noch? Was bleibt mir noch?
Doch ein Gedanke beruhigte mich schnell. Hätten sie in meinen Fingern gesteckt und wären sie mir samt Fingern abgefallen, dann könnte ich niemals darauf hoffen, je wieder einen Menschen mit meiner Liebe zu berühren. Denn womit? So musste ich aber nur geduldig warten, bis meine Hingabe und meine Liebe sich wieder in die Welt trauten, zu mir zurückkamen und mich von innen ausfüllten.
Sie sind ohne mich auch alleine. Ich weiß es.
Der offene Kreis des Lebens
Ich stehe auf einer kleinen Holzbrücke, unter mir fließt ein Bach reinsten Wassers. Darin tummelt sich das Leben, darauf treiben Blätter. Eines dieser Blätter fällt mir besonders auf. Von anmutiger Farbe und schöner Form treibt es nicht mit den anderen mit. Trotz der Strömung verharrt es an einer Stelle. Will es denn nicht weiter, frage ich mich, will es denn nicht vorankommen? Oder ist es da angekommen, wo es sein will? Oder bleibt es da, weil es nicht ankommen will, weil, dort, wo es ankommen würde, nicht bleiben könnte? Oder hat es Angst vor der Unvorhersehbarkeit der Strömung, oder ist es vielmehr seine Stärke, dazu zu stehen, wo man steht? Oder ist dieses Blatt lediglich gefangen in einem Strudel, aus dem kein Entkommen gibt? In einem womöglich selbst heraufbeschworenen Strudel? Sonderbare Gedanken, die mir in den Sinn kommen, und das Gefühl, selbst dieses widerspenstige Blatt zu sein, lässt mich nicht los. Ich schaue noch eine Weile von oben auf das Wasser. Dann komme ich zu mir und gehe weiter und nehme dieses kleine Blatt im Herzen mit. Ich nehme mich mit, ich nehme mich an mich, ich nehme mich an.
Innere Stimme
Vater unser, der du bist im Himmel,
Gesegnet sei mein Leben,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe,
Gelindert werde mein Leid,
Wie im Himmel, also auf Erden,
Die Kraft des Glaubens erleuchte mich.
Unser täglich Brot gib uns heute.
Dein Wort nähre meine Seele.
Und vergib uns unsere Schuld,
Und vergib mir meine Schuld!
Wie wir vergeben unseren Schuldigern.
Wie ich versuche mir zu vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung,
Und Führe mich zu dir,
Sondern erlöse uns von dem Übel,
Erlöse mich vom Schmerz,
Denn dein ist das Reich
Nimm meine Hand,
Und die Kraft
Stehe mir bei,
Und die Herrlichkeit
Ich will in dir aufgehen
In Ewigkeit.
In Liebe.
Amen!
Vater, verlass’ mich nicht!