Poesie

Ich kann nicht anders, als wieder ein Zitat anzubringen.
Diesmal aus dem Buch von Pascal Mercier
„Das Gewicht der Worte“

Diese Gedanken stehen für sich.

„Was eigentlich Poesie sei … im weiteren Sinne, wie es sie in Prosa gäbe, aber auch in Gemälden, in Fotografien, im Film, in der Musik? Poesie … hat mit der Erfahrung der Zeit zu tun. Sie ist eine Art, die Gegenwart ganz Gegenwart sein zu lassen. Ein Mittel, die Zeit anzuhalten. … Die poetische Gegenwart ist wie herausgehoben aus dem Fluss und der drängenden Abfolge des zeitlichen Geschehens. … Etwas Poetisches, auch wenn es nur etwas Kleines ist, … gibt dem Leben im Moment der Betrachtung eine Tiefe, die es sonst nicht hat.“

… und Poesie hilft, mit der Gegenwart besser klarzukommen.

(Auszüge als Abschrift aus dem gleichnamigen Hörbuch)

Geschichte(ter)

Wie wilde Pferde, die an den Bahnen meiner Sehnen die Adern streifend den Knochen entlang durch meinen Körper jagen, stürmen meine Gedanken durch mich. Das bin ich, anders kann ich nicht!

Sekinin – 責任

Nach der Tradition reicht der Meister einer Kampfkunst dem ersten Schüler, den er zur Meisterschaft geführt hat, seinen schwarzen Gürtel weiter. Dies tat ich voller Stolz auch, ich gab ihn vor einigen Jahren meiner besten Schülerin weiter. Möge sie ihn mit Respekt und Würde tragen. Und möge dieser Gürtel ihr den Weg des Geistes weisen, den er symbolisiert. Und möge sie jene Leidenschaft spüren, die von Anfang an in dem Gürtel steckt und diese an ihre eigenen Schüler weitergeben.

Wutzärtlich

Mich überfällt
ein Gefühl,
das nicht edel,
nur ein Gewühl,
ein Sturm ist
von Empfindungen,
die, wie Brandmale
auf der Haut,
sich jagen und
rufen laut:
Fühlst du alles,
fühlst du nichts?
Keins ist wahr!
Alles zu fühlen
ist Gefahr,
nichts zu fühlen
Verschwendung,
sei gewahr!
Gibt es eine Wahrheit
in der Mitte? Nein!

Ich suche sie dennoch.
Der Realität entrückt,
such‘ ich mich
in der Phantasie
weit fort von hier.
Vorauseilen will
mein zeitloser Geist,
nicht verweilen,
keine Gespräche
mit Erinnerungen.
In das Bild der Zukunft
eingedrungen sucht er
mit der Seele an der Hand
etwas, was in Freude,
auch in Trauer
glücklich macht.
Jemanden, der mich
liebt und erträgt
Tag und Nacht.

Dann weine ich wieder
und werd‘ gefragt:
Warum weinst du nun?
Einen Regentropfen
habe ich verschluckt,
sage ich, nur darum.