Oratio interrupta

Gedankenstau tut weh! Gedanken bleiben nicht gerne alleine. Sie haben den Drang, geteilt und mitgeteilt zu werden. Einmal freigesetzt schmiegen sie sich um die Gedanken anderer, sie tanzen mit ihnen, sie fliegen mit ihnen, sie umarmen sie! Aber sie können diesen Tanz nicht erzwingen und sie wollen nicht kämpfen … dann sind sie einsam, lieber einsam.

Jahr Nr. 52, Tag 1

Die größte Ungerechtigkeit des Lebens ist, dass man sich entscheiden muss.
Das größte Geschenk des Lebens ist, dass man sich entscheiden kann.
Gott ist Mensch geworden, weil er sich vom Nichts und Allem ent-schieden und in der Einschränkung des Seins zu sich selbst bekannt hat, um mit diesem Opfer den Menschen die Unendlichkeit des Seins aufzuzeigen.
Doch ich kleiner Mensch, am Beginn meines neuen Lebensjahres, was soll ich mit dieser Erkenntnis anfangen? Was stochere ich im Kaffeesatz meines Geistes herum und denke, es sei Weisheit?

Wildzahm

Im undurchdringlichen Wald des Lebens

Blind in die Weite blicke ich,
Die Düfte der Zukunft rieche ich,
Zu den Wipfeln meine Seele schicke ich,
Verweile und meine Wildheit zähme ich.

Vergängliches erschaffen will ich nicht,
Verstehen das Ewige ist mein Ziel,
Doch mein Herz zu groß und klein dafür,
Es sitzt alleine und liebt zu viel.

Lebenssturm

Pochende Hufe einer Horde
Herumstreunender Gefühle
Erschüttern meine Welt.
Auf den Weiden der Gedanken,
Durch die Wellentäler des Lebenssturms,
Auf der Suche nach dem Ewigen im Augenblick
Scheuen sie vor der ewigen Last der Augenblicke.