„Ist es nicht ein Zeichen von Feigheit, immer nur ein Gutmensch zu sein?“, habe ich meine Freundin gefragt.
„Ist es nicht so, dass man dann nicht den eigenen Weg einzuschlagen wagt?“
„Nein!“, sagte sie. „Es ist nur Tatsache, dass man nicht hier angekommen, vielmehr mit einem Bein ständig woanders sei.“
„Mit einem Bein immer woanders, so kommen wir hier nie an!“, rief sie dazu noch aus, und in ihrem Blick erkannte ich das Gleiche, was mein Morgenspiegel mir täglich zu sagen vermag.
„Und warum sind wir denn allein?“, war meine nächste Frage an sie.
Sie erwiderte nur mit einem traurigen Schein: „Ein Partner muss uns erden, ein ähnlicher wie wir wäre zu viel! Schweben würden wir ständig, und wirklich nie hier!“
„Aber ein Partner muss uns zumindest auch verstehen, was wir denken, sagen, fühlen, und alles zugleich!“, sie blickte mich nun doch etwas verzweifelt an.
Und wir dann beide einhellig erstickt: „Warum können wir hier nicht richtig leben, wenn schon die Aufgabe ist, hier zu sein?“
… weil wir irgendwie doch nicht hierher gehören. Es ist also keine Feigheit, nur kein Mut, weil keine echte Zugehörigkeit im hiesigen Sein.
Höhenfall
Ich kam auf die Erde vom Himmel hernieder, um den Menschen Liebe zu geben. Nach all der Zeit und Mühe, und all meine Kraft gelassen hoffte ich auf Gegenliebe. Doch die Menschen merkten nicht einmal, dass ich hier war. So fiel ich zurück in den Himmel.
Ikagai
Einen Lebenssinn braucht jeder Mensch. Zu hören, wir brauchen dich, du bist uns wichtig, ist ein Lebenselixier. Und eine Aufgabe, das zu bewältigen ist, das einem die Wertschätzung gibt für das eigene Spiegelbild, ein Problem, das nicht zu abstrakt oder entfernt, und man unfähig zu handeln, das einen nur quält, sondern eines, dem man gewachsen ist, und an dem man wächst, auch das braucht das Herz. Und die Gemeinschaft, die Familie, die bei deiner Ankunft ruft, schön, dass du da bist, wir haben so auf dich gewartet, ist das reiche Beet, das die Seele nährt.
Ein Grund zu leben, Ikagai! Ich habe ihn gehabt. Auf der Suche bin ich wieder.
Solitarius
Wenn die Welt die reine Liebe belacht, verachtet und verschmäht, ist sie dem Untergang geweiht. Gefangen dient der Mensch lieber jeglichem Zwang. Die höheren Ziele, die ihn einst zum Menschen gemacht, schwinden aus seinem Geist. Mit Hohn belacht er Gott, und unbermerkt ertrinkt er in seinen … seinen Tränen.
Und mangelernährt an Liebe geht der einsame Wolf seines Weges.
Der Wind saust an ihm vorbei. Alles einerlei.
Sehenden Auges
Übersättigt verhungern sie, keifend entledigen sie sich gar ihrer Seele. Zu lästig! Und rennen, rennen, rennen sie lust- und angstgesteuert nirgendwohin. Die Engel schauen von oben zu, Gaya weint, und die Menschheit verausgabt sich schnurstracks in die Eitelkeit.