Orientierungslos

Wenn ich beim Ausführen oder Empfangen von Aikidotechniken die Orientierung verliere, höre ich nicht auf mich zu drehen, ich suche immerfort nach einem visuellen Referenzpunkt. Kann ich keinen ausmachen, drehe ich mich solange weiter, bis ich meine eigene Achse erfasse, ich werde zu meiner eigenen Referenz. Oder ich wechsle in der Technik die Rolle, werde vom Angreifer zum Verteidiger, und übernehme die Kontrolle im gemeinsamen System von Uke und Nage. Übernehme ich dabei auch die Führung? Nein, ich verbinde mich mit meinem Partner und versuche mit all meinen Sinnen jede kleine Regung seiner Bewegungstendenzen zur erfassen und vorauszuahnen. Dann wird für mich unser System zur von der Außenwelt abgekoppelten Referenz.

Und im realen Leben? Wenn man glaubt durch das Universum zu irren als verlorener Planet, der seine Sonne sucht, seine Geschwister, seine Heimat? Oder in der Beziehung, in der Familie? Wenn man sich alleine fühlt, unverstanden, diffus, verloren? Auch dann drehe ich mich weiter, suche außen, suche in mir, wechsle die Rollen, den Blickwinkel, erfasse Ansichten, geistige Strömungen, Signale, suche Verbindungen, bilde Systeme oder ich trete in sie hinein.

Die ewige Zuversicht begleitet mich, ist meine absolute Referenz. Ich ziehe schließlich das große Orientierungslos und werde nicht mehr orientierungslos.

Pastellpfad

Die Zukunft als Erinnerung
Vergangenes bloß Täuschung
Die Zeit wohl ein Gefühl
Blasse Schönheit nur
Das Leben ein Besuch

Existenzfrage

„Du schreibst in letzter Zeit viel über Gott. Glaubst Du, dass es ihn gibt?“. Diese Frage wurde mir gestern gestellt. Ich erwiderte nur knapp: „Die Frage passt nicht.“

Ich wollte nicht arrogant klingen, tatsächlich ist das meine Überzeugung. Der Begriff Existenz ist mit Gott nicht vereinbar. Unsere geistigen Möglichkeiten, unser „Wortschatz“ reichen nicht aus, um ein … mir fehlt das Wort, ein was? zu definieren oder zu hinterfragen, das ist und zugleich nicht ist. Einem Seinszustand, auch als Zielgebilde des Glaubens, kann man Gott nicht zuordnen. Alles, was ist, ist nur eine Projektion auf Erfassbares.

Also, gibt es Gott? Nun, quantenmechanisch betrachtet, erst wenn wir an ihn glauben, tritt er in Erscheinung, denn mit dem Glauben „beobachten“, „sehen“ wir ihn. Doch auch, wenn wir nicht an ihn glauben, ist er und ist er nicht in einem „Woanders“, wo nur er sein Flüstern hört.

Und woran glaube ich? An sein Flüstern.

Universelle Zusammenhänge

Ich wurde gestern gefragt, welche Bedeutung denn eine Tat in Anbetracht der Ewigkeit haben kann. Hat sie eine?

Wenn man so fragt, hat für sich betrachtet wohl nichts eine besondere Bedeutung. Hatten denn die einzelnen kosmischen Staubkörnchen jeweils eine Bedeutung? Nein, doch ihre Verdichtung ließ Sonnen erstrahlen.

Im Angesicht der Ewigkeit hat im Leben keine Tat, keine Prüfung eine besondere Bedeutung. Doch so wie die Unendlichkeit tot und dunkel ist ohne das Licht der Sonnen, ist die Ewigkeit stumm und leer ohne die angesammelten (Selbst)Erfahrungen der lebendigen Wesen im Universum.

Die Ewigkeit will nicht leer sein, Gott will sich in der Vielfalt erfahren und begreifen, damit sein Aufgehen in der Dualität eine lebendige Schöpfung ist und kein leerer Versuch.

Alles hat eine Bedeutung, jede kleine Erfahrung ist wichtig für die Ewigkeit, sie definiert sie, sie definiert Gott und rettet ihn vor der Ruhe … in Ewigkeit, Amen.

Das Haus

Zärtlichkeit, Wärme, Verständnis, Fürsorge
… für mich sind das die Grundpfeiler einer guten Beziehung.

Und die Liebe?
Sie ist das Dach des Hauses. Sie muss getragen werden, damit sie nicht zu Boden stürzt, dafür schützt sie das Innere des Hauses und hält es zusammen.

Und das Fundament?
Das Fundament ist der Glaube an das Haus. Er trägt das Gewicht und bietet Halt.