Begegnung

Ein sonderbares Gefühl ist es, dass du neben mir sitzt. Es ist die frühe Bahn zur Arbeit. Täglich sitze ich drin hier und da, wo es eben sauber ist. Ich schaue mir die Fahrgäste an. Geister der Gegenwart, keiner lacht. Süchtig starren sie ins Nichts ihrer Displays. Sie versinken, ohne zu wissen, worin. Dann steigst du ein. Mal gehst du an mir vorbei, mal nicht. Und du bist auch nicht immer dieselbe. Du bist, wer du bist. Doch heute setzt du dich zu mir, obwohl auch woanders Plätze frei sind. Warum tust du das, frage ich mich. Ist es Gleichgültigkeit oder doch Sympathie? Ich rede mir Letzteres ein. Ich bin zufrieden, es ist schön, dass ich nicht alleine bin. Keine Spannung zwischen uns, Friede wabert in der Luft. Eine Vertrautheit unter Fremden. Zu dir drehe ich mich nicht, bin zu schüchtern. Dein Spiegelbild flüstert, du siehst mich auch nicht. Warum auch und wozu? Gut so. Ich stelle mir nur vor, ich biete dir stumm meine Hand, und du legst dann deine hinein, und du schaust mich immer noch nicht an. Wer auch immer du bist, du bist zumindest da, ich spüre deine Gegenwart.

Höhenfall

Ich kam auf die Erde vom Himmel hernieder, um den Menschen Liebe zu geben. Nach all der Zeit und Mühe, und all meine Kraft gelassen hoffte ich auf Gegenliebe. Doch die Menschen merkten nicht einmal, dass ich hier war. So fiel ich zurück in den Himmel.

Kongruenz

An sich ist jeder Mensch in sich selbst alleine,
nur nach außen scheinbar nicht.
An sich bringt nur die Liebe zwei Herzen übereinander
vom Herzklopfen bis zum Stillstand des letzten Augenblicks.

Berufung

Wenn ich das nächste Mal
auf die Erde komme,
will ich ein Eingel sein,
und den Menschen helfen zu sehen,
was das Leben wahrhaftig macht.
Aber warum kann ich
nicht jetzt schon spüren,
was ich in der Zukunft bin,
damit auch das Jetzt
meinem Leben Sinn verleiht?