Fata morgana

Wenn Finger ineinander greifen,
sich fesseln, gegenseitig fassen,
wenn Lippen sich berühren,
einen in den Himmel tragen,
wenn Herzen zusammen schlagen,
und die Haut glüht „Verlangen!“,
ein Stich durchfährt meine Brust,
und Salztränen tränken mich stumm.

Monolog

Warum erzähle ich es, und wem?
Niemand wird’s je lesen, soll nicht geschehen.
Dass ich Angst habe vor Familien mit Kindern,
vor Frauen und Männern, die wissen,
warum sie auf Erden fristen?
Dass ich nicht bin, in der Welt nicht stehe,
keinen Sinn, keinen Wert in mir kenne,
wandele als Hülle, mal weinend, mal lachend,
ohne Gefühle, denn zu schwach für sie alle?
Dass ich endlich erkannt werden will,
damit ich wieder zum Menschen werde?!
Dass ich wahrheitsverklebt
nichts anderes will und ertrage
als die reine Liebe?
Ich soll mich zeigen! Tue ich ja,
mein Herz leuchtet, aber gespiegelt
fahles Licht mir nichts bedeutet!
So verhungere ich, ein langer Abschied,
und schmerzlich sehne mich nach Hause,
– ob nach Menschen, Ort oder Zustand –
wo Nähe und Berührung von Körper und Seele
nicht verdient und nicht entzogen werden,
sondern entwachsen aus Herzenswärme!

Sinn der Sinne

Zu beschreiben
die Farbe der Liebe,
ihren Klang, gar ihren Duft,
ist nur auf Umwegen zu meistern.
Ihre Farbe ist polterleise,
ihr Klang zartknallbunt,
und ihr Duft eine
Mischung von beiden.
Zur Berührung sollte
meine Hand etwas sagen,
doch stattdessen schwebt sie
gedankenverloren in der Luft.
Und der Geschmack mit den
Gefühlen unter dem Arm
steht bei seinen Geschwistern,
zusammen tanzen sie einen Kuss.
So einfach ist die Liebe,
und so unerfassbar dazu.

Erleuchtet

Auf dem hohen Rosse ritt er lang,
ein junger Ritter durch sein Land.
Der Blick klar und voller Glanz,
hat nie gedreht er sein Gewand,
nach oben oft den Kopf gereckt,
sucht‘ er Weisheit am Himmelszelt.
Doch verflogen die Jahre schnell,
Knochen, Sehnen wurden welk.
Vom Sattel zum Boden nun gebannt
geht der Ritter seinen Gang.
Die alte Rüstung abgelegt,
und von der Zeit grau belegt,
an seinem Gaul kniet er nackt,
die Erinnerung an Jugendkraft
in seinem Leib wabert nach.
Die Arme geöffnet ruft er hoch
„Mein Himmel, wo bist du noch?“
Und der Himmel erwidert rasch
„Ich war doch immer nah bei dir,
öffne dein Herz und greif‘ nach mir!“
In Demut der Ritter sein Haupte senkt,
dann steht er auf und wird zum Stern.