Sternenstill

Gestern Abend habe ich mit Schrecken realisiert, dass in drei Wochen Weihnachten schon fast vorbei ist. Dieser letzter Monat im Jahr, so voller Erwartungen und möglicher Enttäuschungen. Es fühlt sich an, wie, sonderbar, wie eine Schürfwunde, die vor sich hinnässelt. Ach ja, ich und meine Bilder! Was soll ich machen? So fühlt es sich an. Tut sie oder tut sie doch nicht weh? Heilt sie oder doch nicht? Diese parallelen Striche der Wunde auf der Haut sind gar dekorativ. Bist du übergeschnappt? Dann pustet man darauf, es bringt Linderung, eine Berührung schmerzt. Ich berühre sie aber immer wieder, denn ich bin neugierig. Auf den Schmerz? Nein, auf mich selbst.

Ich freue mich immer wieder auf Weihnachten. Ich freue mich auf die Zeitdämmerung zwischen Weihachten und Silvester. Ich mag diesen Zustand der Unsicherheit. Ich spüre den vorgezeichneten Lebensweg des Jesuskindes mit all den Wunden und der finalen Wunde, mit seinem Opfer für die Menschen. Ich mag hinübergleiten in das neue Jahr, tagelang schweben, leben, genießen, einfach sein. Ich mag es. Doch alles ist so laut um mich. Die ganze Welt rennt, hält nicht inne. Die Jugend schreit in Extase oder in Wutfreude, und die Alten wollen Schritt halten, so machen sie ihr Leben auch klangbuntlaut. Wartet! Seht ihr nicht? Meine kleine Wunde am Arm? Seht ihr nicht, das kleine Kind in der Futterkrippe? Seid mal leise! Hört, sein Blut fließt für Euch, jetzt und in alle Ewigkeit.

Auf meine Schürfwunde fällt eine Träne. Mein Lebenssalz brennt bis ins Herz hinein. Still, bitte, seid still, nur ganz kurz, sternenstill …

Beziehungs42

Neulich sagte eine junge Frau zu mir, sie sei kein komplizierter Mensch, man müsse sie nur „lesen“ können. Welch eine Weisheit und paradoxe Wahrheit! Ich habe nur leider die Schwierigkeit, dass ich nicht schnell genug lesen kann, bevor sich der Text ändert.

Aufbruch

Angelangt am Lebens Dach im Sein,
Die Baumkrone verästelt und fein.
Schultere Engel, ihr Singsang im Ohr,
Sehe nichts als Nebel und Moor.
Ich höre die Stimmen, sie sprechen zu mir,
Ein unverständliches Sprachgewirr.
Geister die zerren, ziehen und reißen,
Ihre Zähne sich an mir festbeißen.
Ein Kampf im Äther, es wirbelt und kreischt,
Ich Sterblicher inmitten werde zerfleischt.
Um der Geister Irrwege zu entkommen,
Will ich die Zeit besonnen
Verbannen in die Unendlichkeit,
Weg von Zukunft und Vergangenheit.
Erkennen will ich den eigenen Pfad,
Weitblick, nicht Blindheit vor Gutmütigkeit.
Waten werde ich durch Wasser, Land und Lüfte,
Mit schweren Beinen weiter bis an eine Küste
Meines eigenen Lebens voller Leichtigkeit!

Schicksalstsunami

Es gibt Kräfte die einen gnadenlos treiben. Sie bauen sich unbemerkt auf, scheinen harmlos sich auszuweiten. Sie winden sich und rollen sich, türmen sich auf. Dann füllen sie ihre Lungen für das finale Getöse und fegen einen mit der unwiderstehlichen Wucht einer Urgewalt weg.

Gegen sie anzukämpfen, ist zwecklos. Die einzige Hoffnung, sie zu überstehen, ist, sich ihnen zu ergeben.

Im Leben spürt man solche Momente. Die süße Kapitulation ist der Lohn der Demut, und die Gewissheit, dass es gut ist, wie es ist, ist ein Abbild des Urvertrauens.