Die Sprache ist mir zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Sie ist das Mittel zum Zweck, Gedanken mitzuteilen, leider aber vielmehr sie zu zerteilen. Die Farben, die Form, der Geruch der Gedanken, wie kann man sie unverstümmelt übertragen? Wie sie kenntlich machen? Die innerste Regung des Gedankens erblickt nie das Licht der Welt. Das versöhnliche Zittern der Botschaft im Streit bleibt einem im Halse stecken, kein Stimmband kann in so feinen Tönen schwingen. Die Sehnsucht, sich mit einem anderen Menschen vollkommen zu verbinden kann nicht über die Sprache erfüllt werden. Die Sehnsucht, sich mit Gott zu verbinden … Gott benutzt ja auch nicht die Sprache, wenn er zu uns spricht. Er schickt Farben, Formen, Gerüche, er hüllt uns mit der Welt ein. Wir können vergeblich warten, bis seine Stimme in unseren Ohren ertönt. Für ihn, sie, es ist die Sprache erst recht zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Und wie dann, wie soll ich sprechen, damit ich verstanden werde? Vielleicht gar nicht. Vielleicht reicht es, Gedanken zu haben und sie dann zu behalten. Oder einfach durch das Leben tanzen …
Die Hummel
Nach den Regeln der Aerodynamik sollte sie nicht fliegen. Aber das weiß sie nicht. Also fliegt sie trotzdem.
Denken behindert
Denken entzaubert
Denken überfordert
Denken bereichert
Denken verzaubert
Denken befeuert
Denken verleitet
Denken entgleitet
Denken verbindet
Will denken
Nicht denken
Glauben
Nicht zaudern
Fliegen
Eine Hummel
In Gedanken
Mit Gedanken
Orientierungslos
Wenn ich beim Ausführen oder Empfangen von Aikidotechniken die Orientierung verliere, höre ich nicht auf mich zu drehen, ich suche immerfort nach einem visuellen Referenzpunkt. Kann ich keinen ausmachen, drehe ich mich solange weiter, bis ich meine eigene Achse erfasse, ich werde zu meiner eigenen Referenz. Oder ich wechsle in der Technik die Rolle, werde vom Angreifer zum Verteidiger, und übernehme die Kontrolle im gemeinsamen System von Uke und Nage. Übernehme ich dabei auch die Führung? Nein, ich verbinde mich mit meinem Partner und versuche mit all meinen Sinnen jede kleine Regung seiner Bewegungstendenzen zur erfassen und vorauszuahnen. Dann wird für mich unser System zur von der Außenwelt abgekoppelten Referenz.
Und im realen Leben? Wenn man glaubt durch das Universum zu irren als verlorener Planet, der seine Sonne sucht, seine Geschwister, seine Heimat? Oder in der Beziehung, in der Familie? Wenn man sich alleine fühlt, unverstanden, diffus, verloren? Auch dann drehe ich mich weiter, suche außen, suche in mir, wechsle die Rollen, den Blickwinkel, erfasse Ansichten, geistige Strömungen, Signale, suche Verbindungen, bilde Systeme oder ich trete in sie hinein.
Die ewige Zuversicht begleitet mich, ist meine absolute Referenz. Ich ziehe schließlich das große Orientierungslos und werde nicht mehr orientierungslos.
Gabe
Was ist die Belohnung für eine Gabe?
Was erhält man für ein Lächeln?
Was für eine Umarmung?
Weiße Feder
Ein Streicheln
Ein Sirren der Luft
Die Berührung der Engel
Fünfzig
bin ich heute geworden, keine lange Zeit. Fünfzigmal die Erde um die Sonne ihre Bahn gezogen, mich fünfzigmal der Frühling begrüßt. Was ist das schon? Ich denke zurück, was habe ich alles erlebt? War ich das überhaupt, oder ist jeder vergangene Tag einer aus dem Leben eines den Tag zuvor Verblichenen? Ich weiß nicht, wer sich erinnert, alles ist so verschwommen, geht unter im Alltag. Besinnung, bitte gib mich nicht auf, stelle mir nach, verfolge mich, erlege mich, ich bin bereit! Wie viele Jahre wird dieser Mensch, der abends täglich stirbt, noch haben? Das ist offen, doch die, die noch kommen mögen, sollen bewusster erlebt, sollen gespürt, erschmeckt, ertastet, ersehen werden. Das wünsche ich mir von mir auf dem Weg zu mir. Gehst du mit mir mit, wer auch immer du bist? Ich reiche dir die Hand, ich will nicht alleine sein.