Zu sein

Ist es besser zu fühlen als nicht zu fühlen,
In tausend Stücke zerrissen da zu liegen?
Sich immer wieder zusammen zu setzen,
Und immer wieder etwas zu verlieren?
Das Leuchten matter, der Blick müder,
Eine schlechte Kopie von sich selbst zu werden?

Ja und immer wieder ja!

Gedankenschleier

Die Sprache ist mir zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Sie ist das Mittel zum Zweck, Gedanken mitzuteilen, leider aber vielmehr sie zu zerteilen. Die Farben, die Form, der Geruch der Gedanken, wie kann man sie unverstümmelt übertragen? Wie sie kenntlich machen? Die innerste Regung des Gedankens erblickt nie das Licht der Welt. Das versöhnliche Zittern der Botschaft im Streit bleibt einem im Halse stecken, kein Stimmband kann in so feinen Tönen schwingen. Die Sehnsucht, sich mit einem anderen Menschen vollkommen zu verbinden kann nicht über die Sprache erfüllt werden. Die Sehnsucht, sich mit Gott zu verbinden … Gott benutzt ja auch nicht die Sprache, wenn er zu uns spricht. Er schickt Farben, Formen, Gerüche, er hüllt uns mit der Welt ein. Wir können vergeblich warten, bis seine Stimme in unseren Ohren ertönt. Für ihn, sie, es ist die Sprache erst recht zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Und wie dann, wie soll ich sprechen, damit ich verstanden werde? Vielleicht gar nicht. Vielleicht reicht es, Gedanken zu haben und sie dann zu behalten. Oder einfach durch das Leben tanzen …

Die Hummel

Nach den Regeln der Aerodynamik sollte sie nicht fliegen. Aber das weiß sie nicht. Also fliegt sie trotzdem.

Denken behindert
Denken entzaubert
Denken überfordert

Denken bereichert
Denken verzaubert
Denken befeuert

Denken verleitet
Denken entgleitet
Denken verbindet

Will denken
Nicht denken
Glauben
Nicht zaudern
Fliegen
Eine Hummel
In Gedanken
Mit Gedanken

Diffusion

Ich fühle mich wie ein Stück Gurke in einem Auflauf, wie ein Komet, der Angst vor der Sonne hat, wie ein Fisch ohne Gräten, wie ein Wassertropfen, der ins volle Glas fällt, wie ein Lampenschirm auf dem Dachboden, wie eine einzelne Socke in der Waschmaschine, wie ein Schaufenster mit Bewusstsein, wie ein Knopfloch ohne Rose,

aber nicht wie ein Mensch.