In der heutigen Zeit heißt es, dass alles austauschbar ist. Wenn nicht dies, dann nimm jenes. Nichts ist sicher, heilig oder fest. Aus süß wird bitter, aus salzig sauer, je nach Lust und Laune wahllos in allem. Gestern noch neu wird zu Altem heute, und das Neue sieht nicht in der Zukunft sein gleiches Schicksal kommen. Aber einen Geschmack des Lebens gibt es, den man nicht austauschen kann. Einen, der alles verstärkt, allem Kraft verleiht, alles mit Leidenschaft überzieht, und das Leben wie vergrößert und geweiht sich erleben lässt. Es ist das Umami der Gefühle, es ist die Liebe! Niemand kann sie mit etwas anderem ersetzen! Sie ist die einzig wahre Würze des Lebens. Ich hoffe, sie geht nicht unter in dieser austauschbaren Welt.
Unitas
Ich weiß, dass, geblendet von Idealismus und einer verklärt naiven Sicht auf die Welt ich unerschütterlich mich an den Glauben an eine göttliche Güte im Menschen klammere.
Doch, was ich wahrlich sehe, ist, dass unter einer Patina von Gleichgültigkeit gegenüber Tiefe selbige wie Pest fortwährend abgewehrt wird. Die Oberflächlichkeit hält nicht inne, sondern nur das Licht vom Abtauchen weg.
Was bleibt, ist ein Kampf von Gewissen und Liebe um Vorherrschaft in mir. Ich will nichts als die Reinheit spüren, mich in keine falschen Gefühle hüllen, oder zweckdienlichen Berechnungen anderer zum Opfer fallen. Die Liebe trägt mich hoch, villeicht auch weg. Das Gewissen lässt mich meine Aufgaben erfüllen, hält mich in der Welt.
Aber was habe ich nur gedacht in all den Jahren? Schreie ich mich an.
Dass in jedem Menschen eine Ursubstanz an Liebe vorhanden ist, die grund- und sinnlos herauskommen will?
Dass es eine inhärente Leidenschaft aus bedürfnislosem Grundrauschen an Gefühlen uns gegeben wird?
Dass sirrende Männlichkeit und leuchtende Weiblichkeit das Universum mit Lebensmusik erfüllen?
Ja!!! All das und noch viel mehr für immer und immer und immer!
Und ich bleibe dabei, Herr im Himmel!
Hologramm
In allem seiner Teile erkennt man immer das ganze Bild. So, wie in allem, was man mit ganzem Herzen tut, das ganze Leben sichtbar wird.
Nebel
Ich habe nie bewusst erkannt, dass ich Nebel eigentlich mag, doch heute früh war es soweit. Wie im Schein der Außenbeleuchtung des Hauseingangs sich winzige Wassertropfen umschwebten. Wie Straßenlaternen mit ihrem Lichthof versucht haben, auf sich aufmerksam zu machen. Wie die Sonne sich durch das Dunstdickicht hindurchwühlte. Wie das Leben erwachte aus einem Märchenschlaf. Ich finde den Nebel nicht bedrückend oder bedrohlich, wie so viele. Für mich ist er das Zeichen der Hoffnung schlechthin, denn er löst sich früher oder später auf, ich kenne es nicht anders. Und wenn man nichts sieht, dann sieht man eben nichts, dann nutzt man andere Sinne, um voranzukommen, oder man bleibt einfach eine Weile stehen. Wie auch im Leben. Wenn Nebel einen umhüllt, und man denkt verloren zu sein, reicht es manchmal kurz innezuhalten, bevor man erneut losgeht. Ok, ist das jetzt eine wichtige Erkenntnis, die ich nun erlangt habe, oder wieder nur eine, die ich unweigerlich gelernt habe zu ertragen? Wohl beides. Das Leben ist solch eine verschwommene Mischung von Vergangenheit, Zukunft und bisschen Gegenwart, dass man diese Ebenen oft kaum auseinanderhalten kann. Alles schimmert durch, die Zeit schwindet, und man weiß nicht, was wahr ist, oder was vorne oder hinten. Bilder, Düfte oder eine Berührung aus der Kindheit, oder eben aus der jüngsten Vergangenheit. Waren sie Realität oder bloß Trugbilder der Nebelschwaden, die im Leerlauf des Geistes in einem aufkamen? Und wenn solch Nebel aufzieht, dann betrübt auf Godot warten? Nein, denn ein Licht gibt es immer, und wenn schon nicht in der Außen-, doch in der Innenwelt in einem selbst. Ein Licht, das zeigt, es ist nicht wichtig, was man sieht, oder glaubt zu sehen, es reicht, dass man sich bewegt, immer nach vorne, auch wenn nur dem eigenen Licht folgend. Den einen Schritt nach dem anderen setzen ganz vorsichtig, bis die Sonne den Nebel vertreibt. Und dann rennen und umarmen die Welt, die Wirklichkeit, die in voller Glanz erstrahlt! Der Nebel löst sich auf, immer.
Himmelsspektakel
Es ist wohl kaum bekannt, dass der Blitz nicht von oben, sondern von unter schlägt lichte Bahn. Zunächst tastet eine Idee ihren Weg hernieder ab, die, wie ein Kanal leitet die Entladung von unten nach oben ein. Gaia lockt erst so den Himmel zu sich herunter, doch nur sie steigt zu ihm auf und gebiert Licht und Donner. Also auch hier, wie immer und überall, wählt die Frau, mit wem sie zusammen leuchten mag. Und was macht der Mann, so der Himmel in diesem Fall? Er behält nur scheinbar die Oberhand. Er ruft „Komm!“, und die Frau antwortet darauf „Nur, wohin ich will!“. Aber immerhin zeichnet er einen Pfad und bereitet ein Feld, worüber sie ihre Schönheit ausbreiten kann.