Zwiegespräch

Ich fragte ein Keim,
Wie ist das Sein?
Den Boden durchstoßen
Auf der Suche nach Oben?
Wie ist’s zu sprießen,
Den Trieb zu hieven?
Die Blätter zu hissen,
Ist das zu wissen?

Es schwieg nur still,
Rankte sich wirr,
Umfing meinen Blick,
Suchte nach mir.
Ich schaute es an
Und wusste sofort,
Den Willen zum Leben
Kann Wissen nicht geben.

Für Doris

Ein Mensch mäandert mal still,
Mal wild durchs Leben,
Seine Gedanken, seine Gefühle folgen verschlungenen Wegen.
Verlässt er die Welt, sind Worte leer, um ihn zu ehren,
Zu gerade ihr Flussbett, ihre Ufer gebrochen von Tränen.
Nur ein sanftes Gebet zum Himmel stolpert durch die Kehle.
Eine Antwort schlängelt stumm durch den Wolkentanz hernieder
„Ich ging in Liebe“. Sie umarmt die Seele.

Präteritum

Einen Wunsch hatte ich im Leben,
Dir meine Liebe zu geben,
Dich auf meine Hand zu legen,
In Deinem Blick zu schweben.

Einen Wunsch hatte ich im Leben,
Dich zu waschen und zu salben,
Meinen Atem mit Dir zu teilen,
Ohne Dich nicht zu weilen.

Einen Wunsch habe ich im Leben,
Auf der Wiese in der Weite,
In der Sonne durch ’ne Brise,
Eine goldene Blume zu sehen.

Geburten

Die Geburt eines Kindes ist die Freude und Bürde einer Frau. Ein Mann ist da bloß Statist. Doch gibt es etwas, bei dessen Gebären Frau und Mann gleichberechtigt sind. Es ist das dritte Element ihrer Beziehung, die zwischen ihnen besteht, die aus ihnen selbst und diesem als Erzeugnis ihrer Liebes- und Verbindungsdynamik entsteht. Es kann wunderbar gedeihen aber auch lebensunfähig sein wie ein todgeweihtes Wesen. Es kann pulsieren und wachsen, strahlen und rasten. Es ist nicht die Eine oder der Andere, diese bilden nur die Spitzen der voneinander unabhängigen Ganzheiten. Dieses Dritte ist die Verbindung, die zwischen ihnen entstandene Feldstärke, der Funke, der Blitz, das Licht, die Wärme, der Überschlag, das Aufbäumen und Verglühen. Es ist etwas Lebendiges und Eigenständiges, der Geist, der aus der Polarität sich selbst bezieht, aber unabhängig von ihr existiert. Nicht für sie, sondern durch sie. Und wenn er vergeht, hinterlässt er oft Abgetragenes und Verkohltes, müde und staunende Augenpaare, flehend-schlaff ausgebreitete Arme, die zwar sehr bemüht, aber doch unfähig waren ihr „Kind“ am Leben zu erhalten.

Aber wenn er besteht! Wenn dieser Geist besteht, gleicht sein Licht der göttlichen, liebenden, lebendigen Schöpfung.

Herzströme

Es gibt so viele Fragen,
Auf die ich keine Antwort habe.
Es gibt so viele Fragen,
Die einen ausfüllen,
Aber nicht erfüllen.
Und andere, die man
Nicht einmal versteht,
Aber wunderschön sind.

Es heißt, man solle das Herz öffnen. Aber wie soll man es öffnen werden, wenn es offen ist? Oder soll man es zunächst verschließen, wenn die alte Einladung auf taube Ohren trifft?. Und soll man Vorhof und Kammer zunächst selbst betreten, bevor die Tür nach außen geöffnet ist?

Und wie kann es sein, dass der Hunger erst gestillt wird, je mehr man von sich gibt, und man umso hungriger wird, je voller man ist? Wie kann es sein, dass man gesättigt wird, wenn man lieben darf und verhungert, wenn die Liebe einen überlädt? Ist die Liebe doch nicht von dieser Welt und wir Menschen wissen es nicht und scheitern unentwegt? Und was haben wir der Anti-Welt geschenkt, in der etwas anderes nicht ist, was es hier ist?