Temporalsublimation

Vor zwei Tagen wurde ich gefragt, wie ich noch an das Glück glauben könne, wenn ich ja selbst sagte, es sei einem immer nur für eine kurze Zeit gegeben. Das stimmt, antwortete ich, doch im Augenblick des Glücks verschwindet die Zeit, somit wird dieses Gefühl zeitlos und dauert auch dann an, wenn man wieder an der Zeitlinie des Normalen entlangschreitet. Man ist gefangen im wohligen Wissen, dass es den Zustand des Glücklichseins gibt. Man ist nicht mehr in der Lage nicht daran zu glauben, es nicht zu wissen, da außerhalb von Raum und Zeit es einen als permanenter Zustand der Zuversicht durchtränkt. Die junge Frau wollte meinen Worten nicht so richtig Glauben schenken. Macht nichts, dachte ich liebevoll, sie wird es schon selbst erfahren, denn trotz allen Schmerzes, den man im Leben erfährt, hat man einmal das Glück in ihrer tiefsten Form erlebt, gibt es kein Entrinnen, man ist gefangen im unerschütterlichen Wissen darum.

Wellenfunktion des Kampfes

Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur das Hier und Jetzt.

Der Krieger im Kampf hat keine Vergangenheit und keine Zukunft, er kämpft nicht ums Überleben, er ist verschmolzen mit dem Tod. Er fließt im Augenblick. Wird der Augenblick zur Realität, ist der Tod da und der Fluss wird zur Ewigkeit. Bleibt der Augenblick im Fluss, kommt der Krieger zurück ins Leben und seine Vergangenheit und seine Zukunft werden zur Realität.

Protuberanz

Ich weiß, meine laienhaften, pseudophilosophischen Ergüsse sind durchaus nervig. Manchmal will ich nur meine zwischen Weltschmerz und Lebensfreude am Schweben gehaltenen autobiografisch gespickten Gedankenknäuel in den Äther schießen. Zeitgeist vom 19. Kronezacken der Menschheit trifft auf Momentaufnahmen eines Homedenkers. Welch ein mit Eigenspannung überdüngter Nährboden für Wortentladungen meiner wundgereimten Gehirnwindungen! Doch genug des falschen Eigentadels, ich habe ja kein Zielpublikum, alle lesen auf eigene Gefahr.

Ich habe mich neulich gefragt, was Leidenschaft wohl ist und welchen Stellenwert sie im Leben eines Menschen hat. Ob sie eine Triebfeder ist oder eher eine Last. Führt sie zu einer Anhebung der Seelenenergie, oder ist sie vielmehr ein Stolperstein auf dem Gehweg des Alltags. Wohlgemerkt rede ich nicht von Verlangen oder Begierde, sie stellen keine Leidenschaft für mich dar, ich rede von reiner Erhabenheit, vom wagemutigen Heraufbeschwören des Glücksgefühls, vom Herausfordern und mit unbändiger Wucht Wegwischen des Gewöhnlichen, von der Opfergabe an das Jetzt ohne Rücksicht auf Verluste, vom Verschmelzen mit dem Kontinuum und von der Wonne zeitweiliger Allmachtsphantasien. Klar?

Also, was ist Leidenschaft? Ist sie Liebe, ist sie ein kaum kontrollierbarer Nebenwesen mit Eigenleben? Was ist sie? Ohne Frage kann sie schöpferisch wie zerstörerisch sein. Sicherlich gibt es dazu geistes-, vielleicht sogar neurowissenschaftliche Untersuchungen. In meinen Überlegungen wollte ich mich durch keine Recherche beeinflussen lassen.

Leidenschaft ist in meiner herumwirbelnden Gefühlswelt eine zarte Erscheinung, eine scheinbar verletzliche, kleine, scheue Pflanze, die jedoch bescheiden, aber in vollem Bewusstsein ihrer unendlichen Kraft in sich ruht und einen von der Scham befreit, vor Hingabe an das Leben auf die Knie zu fallen, den Kopf in das Glück zu betten und betört bereit zu sein den Augenblick zur Unendlichkeit werden zu lassen.

Aber vielleicht auch nicht. Jeder muss das für sich entscheiden.

Für mich ist es jedenfalls klar, ob wissenschaftlich oder nicht, dass ich ein Leben ohne Leidenschaft als nicht lebenswert erachte, denn sie ist ein Geschenk, ein göttliches Elixier, das einem das Leben von innen heraus erspürbar macht. Ich wünsche allen, die dies bisher nicht gewagt haben, mutig zu sein, den Kelch zum Mund zu heben und sich einen großen Schluck von diesem Trank zu gönnen. Das Knie tut vielleicht weh, doch das Herz wächst über den Rand des Universums hinaus. Gruß vom Pflänzchen: garantiert!

 

Unendlich gespalten unendlich

Durch die Teilung im Schöpfungsakt hat sich Gott verloren. Seine Tränen sind unsere Liebe. Er ringt mit sich, er sucht sich, er schreit nach sich. Seine Unruhe spüren wir in unserer Suche, seine Freude im Finden und seine Qual in der Trennung. Wenn wir lieben, geben wir Gott sich selbst zurück, wir haben aber auch die Bürde sein Schöpfungsopfer mitzutragen. Wir sind auf Erden, um Gott beizustehen. Und er ist für uns da, wenn wir unsere Ganzheit missen.

Licht und Liebe

Klein und verloren, ein Sklave der Gedanken,
Erinnerung und Vergangenheit fesseln, halten mich gefangen.
Ich schaue nach oben, sehe Sterne leuchten,
Die mit ihrem Feuer sich im All vergeuden.
Wer bin ich, frage ich verzweifelt, mein Herz schreit, erstickt,
Nichts und wieder nichts und meine Schmerzen unbedeutend.

Wer ich bin? Quillt aus mir hervor.
Der, der mehr ist als totes Licht!
Der, der glüht, ohne zu verglühen!
Hochmütig rufe ich, ich bin es, ihr leeren Hüllen!
Ihr Sterne ohne Gefühl, mein Licht leuchtet von innen.
Meine Liebe, Gott, meine Liebe ist das, was IST!

Selbst aus euch geboren, sehne mich nach Wahrheit,
Bestätigung bestärkt mich, das ist meiner Schwäche Klarheit.
Mensch bin ich halt! Und? Töricht, das mit Bestimmtheit,
Aber nur ich kann lieben, nichts kann mir das nehmen.
Ich lebe, liebe, welch ein Gefühl, eine Freude, ein Glück!
Meine Liebe bin bloß ich, aber unendlich und nicht unbedeutend!

So gebe ich dem Ganzen den Sinn, den ihr nicht könnt,
Verzeiht mir, das ist des Lebens Hoheit.