Entfaltung

Einen Gordischen Knoten der Lebensverwicklungen, in dem man steckt, kann man nicht zerschneiden, man kann ihn lediglich durch Wachstum von innen heraus zum Platzen bringen.

Identität

Weihnachten steht vor der Tür. Ich schaue durch das Fenster auf die Straße, alles ist grau, Nieselregen kitzelt die Schirme der Passanten. Das schöne Winterwetter hat wohl ein schlechtes Gewissen bekommen und schmollt in einer der südlichen Ecken des Landes. Meine Gefühle sind in Watte gepackt, sind konturlos. Ich denke an meine Kindheit, an den Weihnachtsbaum, an mein kleines Zimmer, in dem jetzt ein Reisebüro sein trauriges Dasein fristet. Ich denke an die Sehnsucht nach Besinnung, nach Ruhe und Geborgenheit. An das Wort, die Stimme, die durch die Rituale zu mir spricht. Und dann sagt mir mein Gefühl, ich wage es kaum auszusprechen, … die Menschen in Deutschland verstecken ihre christliche Zugehörigkeit unter einer Schüchternheit, als ob sie sich ihrer Wurzeln schämten.

Ich sage es ganz leise und voller Demut…

Mitgefühl ist das übergeordnete göttliche Prinzip, das unabhängig ist von der Bezeichnung der umrahmenden religiösen Struktur. Wenn es von mir erwartet wird, dass ich im Namen der Toleranz und Rücksicht auf meine „primären christlichen Merkmale“ verzichte, dann … dann tue ich es, weil ich sie nicht provokativ ausleben, sondern in ihrem Sinne leben und geben will, was meine Überzeugung zu bieten hat, Liebe allen gegenüber. Dennoch, ich finde es traurig und fad, wenn Weihnachten, was schon längst geschehen, nicht nur zur Kommerzorgie verkommt, sondern sein spiritueller Unterbau zusätzlich unter fehlendem Selbstbewusstsein leidet. Lasst die Kinder singen, lasst sie in den Schulen das Fest feiern! Durch Rückzug wird kein Verständnis füreinander entwickelt. Vertraut auf die Kraft der Liebe!

Gedankenschleier

Die Sprache ist mir zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Sie ist das Mittel zum Zweck, Gedanken mitzuteilen, leider aber vielmehr sie zu zerteilen. Die Farben, die Form, der Geruch der Gedanken, wie kann man sie unverstümmelt übertragen? Wie sie kenntlich machen? Die innerste Regung des Gedankens erblickt nie das Licht der Welt. Das versöhnliche Zittern der Botschaft im Streit bleibt einem im Halse stecken, kein Stimmband kann in so feinen Tönen schwingen. Die Sehnsucht, sich mit einem anderen Menschen vollkommen zu verbinden kann nicht über die Sprache erfüllt werden. Die Sehnsucht, sich mit Gott zu verbinden … Gott benutzt ja auch nicht die Sprache, wenn er zu uns spricht. Er schickt Farben, Formen, Gerüche, er hüllt uns mit der Welt ein. Wir können vergeblich warten, bis seine Stimme in unseren Ohren ertönt. Für ihn, sie, es ist die Sprache erst recht zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Und wie dann, wie soll ich sprechen, damit ich verstanden werde? Vielleicht gar nicht. Vielleicht reicht es, Gedanken zu haben und sie dann zu behalten. Oder einfach durch das Leben tanzen …

Diffusion

Ich fühle mich wie ein Stück Gurke in einem Auflauf, wie ein Komet, der Angst vor der Sonne hat, wie ein Fisch ohne Gräten, wie ein Wassertropfen, der ins volle Glas fällt, wie ein Lampenschirm auf dem Dachboden, wie eine einzelne Socke in der Waschmaschine, wie ein Schaufenster mit Bewusstsein, wie ein Knopfloch ohne Rose,

aber nicht wie ein Mensch.