Die Sprache ist mir zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Sie ist das Mittel zum Zweck, Gedanken mitzuteilen, leider aber vielmehr sie zu zerteilen. Die Farben, die Form, der Geruch der Gedanken, wie kann man sie unverstümmelt übertragen? Wie sie kenntlich machen? Die innerste Regung des Gedankens erblickt nie das Licht der Welt. Das versöhnliche Zittern der Botschaft im Streit bleibt einem im Halse stecken, kein Stimmband kann in so feinen Tönen schwingen. Die Sehnsucht, sich mit einem anderen Menschen vollkommen zu verbinden kann nicht über die Sprache erfüllt werden. Die Sehnsucht, sich mit Gott zu verbinden … Gott benutzt ja auch nicht die Sprache, wenn er zu uns spricht. Er schickt Farben, Formen, Gerüche, er hüllt uns mit der Welt ein. Wir können vergeblich warten, bis seine Stimme in unseren Ohren ertönt. Für ihn, sie, es ist die Sprache erst recht zu langsam, zu schwerfällig, zu ungenau. Und wie dann, wie soll ich sprechen, damit ich verstanden werde? Vielleicht gar nicht. Vielleicht reicht es, Gedanken zu haben und sie dann zu behalten. Oder einfach durch das Leben tanzen …
Diffusion
Ich fühle mich wie ein Stück Gurke in einem Auflauf, wie ein Komet, der Angst vor der Sonne hat, wie ein Fisch ohne Gräten, wie ein Wassertropfen, der ins volle Glas fällt, wie ein Lampenschirm auf dem Dachboden, wie eine einzelne Socke in der Waschmaschine, wie ein Schaufenster mit Bewusstsein, wie ein Knopfloch ohne Rose,
aber nicht wie ein Mensch.
Angst ist,
sich gegen Gottes Willen zu stemmen.
Doch wie stemmt man sich gegen einen Lufthauch, der eines Gesicht streichelt?
Profane Erkenntnis
Mit den Gefühlen ist es so, wie wenn man aufs Klo muss. Man muss auf sich hören, sonst geht es in die Hose!
Gottesbeweis?
An der Autobahn ein Schild: „Fahr‘ langsam, das Leben ist schön“. Ja? Ja! Aber warum ist das wichtig? Wenn ich das lese, denke ich, ist das nicht der Beweis dafür, dass das Leben mit dem Tod nicht endet? Denn, wenn die Menschen Angst vor dem Tod haben, haben sie in Wirklichkeit nicht eher Angst davor, woanders nicht so glücklich zu sein, wie hier? Denn, wenn es kein Woanders gibt, wenn das Hier mit dem Tod abrupt und ohne Alternative endet, warum sollte man Angst vor dem Nichts haben, wofür das Schöne im Hier horten? Vor dem Vorgang des Sterbens kann man Angst haben. Aber warum vor dem Nichts? Wenn das Hier gut ist, dann ist das Gute nur im Bewussten erfahrbar. Im Nichts ist kein Bewusstsein, kein Wissen davon oder von davor, von dem Guten aus dem ehemaligen Hier, denn ein Bewusstsein des Ehemaligen ist nicht möglich. Also, hat man Angst vor dem Woanders, weiß man, zumindest vermutet man, dass es ein erfahrbares Woanders gibt. Das ist der Gottesbeweis. Ist es das? Ein Woanders aus dem ehemaligen Hier heraus, immer und immer wieder, ohne Notwendigkeit eines kausalen Zeitbegriffs ist die Ewigkeit. Wenn es aber eine Fortführung des Hier gibt, wenn es somit eine Ewigkeit gibt, ist Gott darin die Essenz, das Durchflutende. Gibt es aber ein Nichts nach dem Hier, dann … dann braucht man davor keine Angst zu haben. Doch auch dann kann es einen Gott geben, einen, der uns das Hier vergessen lässt, damit das Neue wirklich neu ist. Aber auch dann, wenn man vor dem Nichts in diesem Sinne Angst hat, „weiß“ man auf eine unauslöschliche Art, dass das Nichts ein Etwas ist. Gott ist auch in dieser Angst. Vertrauen wir aber ihm, weil er ein liebender Gott ist, ist die Angst unbegründet. Ich vertraue ihm.