Der Mahlstrom

Eigentlich wollte ich wieder über etwas Schönes schreiben, doch mir fällt immer wieder dieses Wort ein. Ich stelle mir vor, ein Durcheinander aus Steinen hält gefangen, rädert und wälzt einen. Ist auch Wasser dabei? Ist nicht von Belang. Es geht um das Mahlen, um das Abtauchen, Auftauchen, um Bewusstsein von Gefahr, um Hoffnung und Erleichterung. Es geht auch um Abrieb von Altem, um Reinigung, Katharsis, Befreiung, Läuterung. Es geht um Erblicken von Licht, wenn man obenauf ist, um Trauer dann unten in der Dunkelheit. Es geht um Erleuchtung, und darum, wenn man weint, und nicht mehr weiß, ist es Freude oder Leid. Ich wollte so gerne von etwas Schönem schreiben, und nicht nur aus Erinnerung. Von Worten, die entstehen, und nicht von denen, dass es heißt, man suche die Einsamkeit. Ich wollte vom Duft reiner Haut schreiben, von Mut und Geduld, von Leben in der Welt der unendlichen Farben. In meiner Einbildung ein Anflug von Leichtigkeit wirbelt mich um, ich stelle mir vor, wie es hätte sein können bei so vielem im Leben, wenn das Herz geöffnet und nicht verschlossen sich dem Mahlstrom stellt, so die Steine verwelken, und an ihrer Stelle ein Blütenmeer entsteht. In meinem Geiste der Wohlklang einer Blume schimmert durch.

Enigma

Auf einer Lichtung mitten in Nirgendwo schwebt ein Zelt, steht ein Baum, mit Feen in der Luft um sie herum, Wald umsäumt das Feld, und aus Glocken Musik auf die Stille fällt, am Himmel fließen Wolken vorbei an zwei Monden in einem Farbenmeer weich und weit, und da ist auch ein Altar, vor dem in einer kleinen Truhe aufbewahrt Wünsche der Vergangenheit, darüber Wünsche der Zukunft auf Fähnchen gebannt, und die Lichtung aufgespannt zwischen zwei Herzen feuergefroren in der Gegenwart. Mitten in Nirgendwo schwebt ein Zelt, steht ein Baum, am Himmel zwei Monde Hand in Hand.

Humanitas!

Wie soll ich es in Worte fassen, was mich umgibt wie ein amorphes Feld von reglosem Schrei?

Es kommt aus dem Blick der alten Frau von nebenan, vom verlorenen Kinde alleine im Wald, vom Junkie, der unter der Brücke lallt, hochgewürgt aus tausend Kehlen in Kriegen, von vielen, die es begraben in Schößen von Ungeliebten, oder von denen, die nur ihre Habseligkeiten umarmen in der Bahn. Es ist der Schmerz, den man nicht beschreiben kann, dessen Ort man nicht kennt, weil es weh tut überall, wie die nachletzte Luft, wonach man sich zuckt, doch nicht in der Lunge, im Herzen brennt es nach dem veratmeten Glück.

Man kann daran sterben. Es ist die Einsamkeit.

Ode

Ich lebe, wie ich lebe,
ob verträumt oder träge
die eigenen Wege gehe,
doch leugne ich nie,
dass Nahrung meiner Seele
Schönheit ist
und Gefühle herum
gebaut ich bin.
So leuchtet meine Augen
vor Hingabe und Wille,
und verkündet, dass ich
nicht anders kann als lieben
mein Leben, mein ein und alles,
auf Erden mein Eden!