E-Beil, verkehrte Welt

Auf dem Weg von rechts nach links, von hinten nach vorne, von unten nach oben habe ich die Liebe verloren. Sie ist mir aus der Tasche gefallen, kullerte eine Weile auf dem Boden, wälzte sich und wand sich, grinste mich an und verschwand in einem Erdloch. Ich rannte hin, kniete mich nieder, rief nach ihr, schickte ihr meine Tränen nach „Sucht sie!“. Sie war aber weg.

So saß ich da über die Tiefe gebeugt und meine kurzsichtig atmende Hülle auf meine Gedanken gestützt, bis ich spürte, wie der Glanz eines hinter Regenbogenwimpern aufgeschlagenen Augenpaares auf mir ruhte.

Diese Augen! … diese Augen kamen mir so bekannt vor. Ich wusste, sie waren doch meine Hingabe, die in eine Fluchtgrube gekrochen ist, um sich vor den das Ticken ihrer Lebensuhr übertönenden Streitigkeiten der Menschen zu verstecken.

Und jetzt waren sie schon zu zweit da unten, meine Liebe und meine Hingabe. Was noch? Was bleibt mir noch?

Doch ein Gedanke beruhigte mich schnell. Hätten sie in meinen Fingern gesteckt und wären sie mir samt Fingern abgefallen, dann könnte ich niemals darauf hoffen, je wieder einen Menschen mit meiner Liebe zu berühren. Denn womit? So musste ich aber nur geduldig warten, bis meine Hingabe und meine Liebe sich wieder in die Welt trauten, zu mir zurückkamen und mich von innen ausfüllten.

Sie sind ohne mich auch alleine. Ich weiß es.

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Schweigen
Ein warmes, langsames Schweigen.
Warm wie Honigmilch auf den Lippen,
Langsam wie die Bewegungen eines Sonntagnachmittages.

Schweigen
Ein rundes, weiches Schweigen.
Rund wie der Hauch einer Sommerbrise,
Weich wie das Streicheln eines Teiches.

Schweigen
Ein vertrautes, tiefes Schweigen.
Vertraut wie keine andere Vertrautheit,
Tief wie das Rot einer Geburt.

Gedichtsschwankungen der Farbenleere

Ich wollte schon wieder ein Gedicht über die Liebe schreiben. Ich wollte reimen

Sie strahlt in tausend Farben,
Jeder Mensch leuchtet
In seiner eigenen Farbe,
Die für alle Grau erscheint,
Nur denen nicht,
Die die gleiche Farbe haben.

Doch stimmt das eigentlich nicht. Wir sind vielmehr bedürftige Farbenblinde ständig auf der Suche nach der Bindungswärme unserer ersten Lebensmonate. Wir alle können uns so gut einreden, die eigene Farbe im Grau des anderen erkannt zu haben. Dabei überflutet uns ein solch törichtes Glücksgefühl, weil wir es fühlen wollen, weil wir ausgehungert sind, weil wir gesehen und endlich ankommen wollen. Aber irgendwann schlägt das Grau durch und wir ziehen weiter, suchen weiter, hungern weiter.

Doch was sind das wieder für schwere Gedanken? Gedanken, ihr launisch ewig unzufriedene Geistermacht ohne Zeitgefühl, ihr, die nach dem Glück trachtet, aber nicht bereit seid zur Selbstwandlung in das Jetzt, zur Erkenntnis eurer Vergänglichkeit, schweigt und erkennt

Mein Licht trägt meine Farbe,
Und das ist kein Gedicht,
Nur jedes Menschen Gabe.

Ruf nach Rachel

An all die naiven Romantiker,
an all die kindlichen Idealisten,
an alle, denen die Brust platzt,
die sich nach einer Berührung sehnen,
die vor Freude weinen,
während sie in ihrer Vorstellung
ihre Seelenlunge füllen,
doch in Wirklichkeit nur
das dunkle Wasser
der Einsamkeit einatmen können
und in Panik erstarrt da liegen,
ihrem hungernden Herzen zuhören,
ihre blutenden Wunden anstarren,
ihre mit Vergangenem belegte Seele
anbetteln zu vergessen,
an all die, denen „Hoffnung“
nur Hohn und Spott gleichkommt,
euch allen sage ich,
haltet die Luft an,
atmet unter Wasser nicht ein
und gebt niemals, niemals
euren Idealismus,
euren Glauben an die Liebe auf,
sie ist da,
sie ist das Fundament
des wahren Lebens,
gebt niemals auf, niemals!